Fliegerschicksale über Lumda, Lahn und Ohm
  13. Februar 1945
 
 

Unterrosphe, Dienstag, 13. Februar 1945, Fastnacht
 

Gegen 14.55 Uhr griffen vier amerikanische Jagdbomber den Bahnhof Sarnau und die nähere Umgebung mit Bomben und Bordwaffen an. In Sarnau wurden zwei Scheunen mit Stallungen durch den Bordwaffenbeschuß in Brand geschossen. Insgesamt fielen sieben Bomben, zwei davon waren Blindgänger. Dadurch wurden ein Wohnhaus mit Stallung stark und vier Wohnhäuser leicht beschädigt. Opfer an Mensch und Vieh waren aber in Sarnau nicht zu beklagen.

Die amerikanischen Angreifer dagegen verloren eine ihrer P-47 „Thunderbolt”. Diese stürzte unweit von Unterrosphe ab und wurde vollständig zertrümmert. Der Pilot der Maschine wurde beim Aufschlag stark verstümmelt und ist teilweise verbrannt aufgefunden worden.

Die zur Hilfe eilende Dorfbevölkerung fand neben dem Leichnam eine Erkennungsmarke mit Hilfe der Pilot als: „Wendel Carrigan Nr. T-125431 / T43-44 AB” identifiziert wurde. Der Tote wurde am nächsten Tag auf dem Friedhof in Unterrosphe beigesetzt. Die Trümmer der Maschine wurden von einem Räumkommando des Fliegerhorst Bracht abtransportiert.

(Abschrift des Missing Air Crew Reports zum Ausbleiben des Piloten.)
(Foto: Dirk Sohl)


 Diese Informationen konnten wir aus dem Bericht des Gendarmerie Einzelposten Wetter II an den Landrat entnehmen. Die Meldung des Landrates an das Luftgaukommando VI in Münster in Westfalen beinhaltet auch weitere Angriffe an diesem Tag auf den Bahnhof Cölbe. Insgesamt seien acht feindliche Maschinen an dem Angriff
beteiligt gewesen und hätten auch die Bahnanlagen in Cölbe mit 11 Bomben („fünf mittleren und sechs leichten”) angegriffen.

Der letzte Amerikaner, der mit dem Gefallenen Kontakt hatte, war 2ndLt. Robert D. Williamson. Er hatte auf dem Anflug in Richtung Ziel ein Funkgespräch mit Carrigan geführt.
Über dem Zielgebiet, welches fast vollständig unter den Wolken lag, sah er Carrigan aus etwa 3500 ft. Höhe einen Sturzflug in ein Wolkenloch über dem Verschiebebahnhof machen. Dort aber stand eine leichte Flak, welche Carrigan oder seine Maschine schwer getroffen haben muß. Williamson, der Augenzeuge, flog diese an und feuerte aus seinen Bordwaffen auf die Stellung der leichten Flak und schaltete sie somit aus. Bei diesem Angriff konnte er noch erkennen , daß Carrigan seinen Bombenwurf durchführte und danach nach oben durch die Wolken zu entkommen versuchte. Als aber Williamson nach ihm ebenfalls durch die Wolken stieß, sah er keine weitere Maschine. Er rief über Funk, erhielt aber keine Antwort mehr. Auch einen Fallschirm konnte er nirgendwo entdecken.

Was war geschehen?
Der am 19. März 1919 im Morgan City im U.S.-Bundesstaat geborenen 2ndLt. Wendell Foster Carrigan war mit seiner Einheit, der 53. Fighter Squadron in der 36. Fighter Squadron, die zur 9. taktische USAAF gehörte, in Le Culot, Belgien zum Einsatz gestartet. Als Ziel wurde ihnen Göttingen bei Marburg befohlen. Den Verschiebebahnhof sollten sie im Tiefflug mit ihren P-47 „Thunderbolt” angreifen und durch Bombenabwurf zerstören.
Dies gelang aber nur zum Teil, da einige Maschinen dieser Einheit, vermutlich aus Versehen Cölbe angriffen.

Ob nun die bei Republic in Farmingdale im US-Staat New York gebaute P-47 D-5 RE „Thunderbolt” mit der Werknummer 42-8580 von 2ndLt. Wendell F. Carrigan beim Tiefflug tatsächlich von einem einzelnen deutschen Flakgeschütz beschossen und getroffen wurde, läßt sich heute nicht mehr klären. Sicher aber ist, daß die Maschine unmittelbar nach dem Bombenabwurf bei Unterrosphe abstürzte und der Pilot keine Möglichkeit mehr hatte, die Maschine mit dem Fallschirm zu verlassen.



(Eine Kopie aus den amerikanischen Unterlagen zur Umbettung des Gefallenen.
Die geschwärzten Körperteile wurden nicht gefunden.) (Foto: Dirk Sohl)
 

Beim Aufschlag der Maschine wurde der unglückliche Pilot mit seiner Maschine total zertrümmert. Die aufgefundenen sterblichen Überreste wurden aufgesammelt und getrennt von den anderen Gräbern auf dem Friedhof in Unterrosphe beigesetzt. Auf das Grab wurde damals ein Holzkreuz gesetzt. Im Frühjahr 1946 wurde der Leichnam exhumiert und auf den amerikanischen Kriegsgräberfriedhof Neuville-en-Condroz in Belgien überführt. Dort wurde er zunächst als unbekannter amerikanischer Soldat beigesetzt. Bei einer späteren Graböffnung wurde in einer seiner Taschen noch ein an ihn gesendetes Telegramm gefunden und auf den wenigen verbliebenen Uniformresten noch die vier Anfangsbuchstaben seines Nachnamens. Eine genauere weitere Untersuchung der Unterlagen in Unterrosphe gaben dann erst wieder dem Gefallenen seinen Namen zurück Wenige Jahre später hat seine Familie die sterblichen Überreste des Gefallenen in seine Heimat überführen lassen und ihn in Morgan im US-Staat Utah erneut beigesetzt.

Eine bisherige Suche nach Familienangehörigen blieb aber bisher ohne Erfolg.
Seine Eltern, Irene Julia und Albert B. Carrigan sind sicherlich schon lange verstorben. Unsere Nachforschungen beziehen sich jetzt auf seine beiden Brüder Albert und Russell und seine Schwester Irene Winn.
Auch hier hoffen wir noch auf das Glück, ein Foto des Gefallenen veröffentlichen zu können. 


 

Absturz eines einmotorigen amerikanischen Jagdflugzeugs


 

Ort:      Unterrosphe,  Am westlichen Ortsrand

 Datum:      13. Februar 1945

Uhrzeit:      ca. 14.55 Uhr

Flugzeugtyp:      Republic P-47 D-5 RE „Thunderbolt”

Werknummer:      42-8580

Kennung:

Motor:      1 luftgekühlter Pratt&Whitney R-2800-59 Doppelsternmotor

Einheit:      53. Fighter Squadron in der 36. Fighter Group

Startflughafen:      Le Culot / Belgien

Pilot:      2ndLt. Wendell Foster Carrigan

Erkennungsmarke:      O-1996021

Geburtsdatum:      19. März 1919

Geburtsort:      Morgan City , Utah (USA)

Verbleib:      Gefallen

Grablage:      Morgan (USA)

Absturzursache:      Flaktreffer durch leichte Flak

 


 
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