Fliegerschicksale über Lumda, Lahn und Ohm
  01. Januar 1945
 
 

Kleinseelheim, Montag, 01.01.1945 , Neujahrstag
 

An diesem Neujahrstag des Jahres 1945 griff die deutsche Luftwaffe mit einer großen Anzahl von einmotorigen Jagdflugzeugen und einigen Schlachtflugzeugen die von der amerikanischen Luftwaffe belegten Flugplätze im Raum Belgien/Niederlande an.
Ende 1944 plante der Stab der Luftwaffe die alliierten Luftstreitkräfte durch einen Überraschungsangriff so zu dezimieren, daß der gestoppte Vormarsch der deutschen Truppen in den Ardennen fortgeführt werden könnte.
Mit der Durchführung wurde Generalmajor Dietrich Peltz, ein ehemaliger Kampf- und Stukaflieger, beauftragt.

Vorgesehen war es, die Mehrzahl aller im Westen und über dem Reichsgebiet stationierten deutschen Jagdflugzeuge dazu einzusetzen.

(Auszug aus dem Flugbuch von Oskar Fromberg mit dem Eintrag des Fallschirmabsprung bei Schröck.) (Foto: Oskar Fromberg)

 

Wegen des schlechten Wetters, wurde der Einsatz dann auf den 1. Januar 1945 verschoben. Man wollte versuchen, die verlorengegangene Lufthoheit zurückzugewinnen.
Die Deutschen setzten für diesen Einsatz mehr als 1000 Flugzeuge ein, von denen mehr als 300 verloren gingen. 238 deutsche Flugzeugführer waren gefallen oder in Gefangenschaft geraten und 19 weitere verwundet , so daß auch sie zumindest für die nächste Zeit ausfielen.
Bemerkenswert ist noch, daß mindestens 84 deutsche Maschinen von der eigenen Flak abgeschossen wurden, da diese Einheiten, wegen der Geheimhaltung nicht oder ungenügend über diesen Einsatz informiert waren.
Wer kann es den Kanonieren und Richtschützen in den Flakbatterien auch verdenken. Seit vielen Monaten wurde eine solche deutsche Armada in der Luft nicht mehr gesehen. Manche der Kanoniere sagten sich: „Wenn mehr als zwei Maschinen gleichzeitig in der Luft sind, können es nur gegnerische Maschinen sein. Die eigene Luftwaffe hat ja nicht mehr so viele.”

Die Materialverluste der Alliierten waren ebenfalls sehr hoch. Etwa 500 ein-, zwei- und viermotorige Jagd- und Kampfflugzeuge gingen verloren. Dieser Verlust aber ließ sich schnell wieder ersetzen. Die Flugzeugwerke in deren Heimatländern produzierten eine solche Menge an Flugzeugen, daß dieser Verlust nach etwa einer Woche wieder ausgeglichen werden konnte. Die Anzahl der gefallenen und verwundeten Flieger auf Seiten der Alliierten war verhältnismäßig gering, da der größte Teil der Maschinen, ohne Besatzung, auf den Flugplätzen zerstört wurde.

Die Deutschen dagegen konnten ihre Flugzeugführer- und Maschinenverluste nicht mehr ersetzen. Mit dem Verlust von insgesamt 19 Verbandsführern (Staffelkapitäne, Gruppenkommandeure und Geschwaderkommodoren) waren die Führungsebenen der deutschen Jagdeinheiten stark dezimiert.

Das Jagdgeschwader 4, dessen Einheiten im Rhein-Main-Gebiet auf den Plätzen Babenhausen, Darmstadt-Griesheim und dem ehemaligen Luftschiffhafen Rhein-Main lagen, war für den Einsatz auf den mit P-47 „Thunderbolt”-Einheiten belegten Flugplatz Le Culot in Belgien vorgesehen. Dieser Platz wurde aber nicht angegriffen. Vermutlich aufgrund eines Führungsfehlers waren Einheiten des JG 4 mit anderen Einheiten über den Plätzen Brüssel-Melsbroek, Ophoven und St. Trond im Einsatz. 24 Flugzeugführer des Geschwaders kehrten nicht mehr zurück. Von den 55 im Morgengrauen gestarteten Maschinen landeten nur etwa 30 auf den heimatlichen Flughäfen.

Eine dieser Maschinen, eine Messerschmitt Bf 109 G-14 der 1. Staffel, schaffte es nach dem Einsatz noch in Richtung Heimat zu entkommen. Bereits auf dem Flug in Richtung Belgien bekam sie Beschuß von einem feindlichen Jagdflugzeug. Auf dem Rückflug erhielt die Maschine dann noch Treffer, vermutlich von der eigenen, nicht informierten Flak. Das Fahrwerk war beschädigt und ließ sich weder ganz aus- noch vollständig einfahren, so daß dem Flugzeugführer, Unteroffizier Oskar Fromberg, nur noch die Möglichkeit eines Fallschirmabsprunges blieb. Um 10.31 Uhr landete Uffz. Fromberg, leicht verwundet, am Fallschirm bei Schröck. Seine Maschine, die als Kennung eine „Weiße 1” trug, schlug unweit von Kleinseelheim auf und wurde durch den Aufschlag und den anschließenden Brand vollständig zerstört.

(Unteroffizier Oskar Fromberg.) (Foto: Oskar Fromberg)

 

Vom Start in Darmstadt Griesheim um 08.31 Uhr bis zum Absprung bei Schröck waren fast genau 2 Stunden vergangen. In dieser Zeit wurde er von gegnerischen Jagdflugzeugen und eigener Flak getroffen. Selbst war er noch an einem Angriff auf abgestellte alliierte Maschinen auf einem belgischen Flugplatz beteiligt. Auch dort flog den Angreifern ständig eine Menge Blei um die Ohren. Der Start im Morgengrauen in Griesheim war sicherlich auch nicht ungefährlich. Die Me Bf 109 war am Start sehr anfällig und entschuldigte keinen Fehler. Zum Schluß kam dann noch das Verlassen der Maschine mit dem Fallschirm.

Es ist heute gut vorstellbar, daß man in diesen wenigen Stunden um Jahre altern kann.

Die verbliebenen Wrackteile der Maschine wurden von einem Kommando des Fliegerhorst Bracht entsorgt. Uffz. Fromberg verständigte unmittelbar nach der Landung seine Einheit und kehrte noch am gleichen Tag zu seiner Staffel zurück. Bis Kriegsende flog er weitere Einsätze und geriet schließlich in französische Gefangenschaft, aus welcher er 1947 zurückkehrte. Im Sommer 1998 gelang es uns, ihn bei Frankfurt am Main ausfindig zu machen, so daß dieses Kapitel auch abgeschlossen werden konnte.

(Überschlag bei Landung! Eine von Uffz. Fromberg im Juli 1944 bei Reichenbach auf den Kopf gelegte Bf 109 G-6.) (Foto: Oskar Fromberg)
 


 

Absturz eines einmotorigen deutschen Jagdflugzeugs
 

Ort:      Kleinseelheim, In der Nähe des Sportplatzes

Datum:      01. Januar 1945

Uhrzeit:      10.30 Uhr

Flugzeugtyp:      Messerschmitt Bf 109 G-14

Werknummer:

Kennung: „     Weiße 1”

Motor:      1 flüssigkeitsgekühlter Zwölfzylinder hängender V-Motor Daimler Benz DB 605

Einheit:      1. Staffel / Jagdgeschwader 4

Startflughafen:      Darmstadt-Griesheim

Flugzeugführer:      Unteroffizier Oskar Fromberg

Erkennungsmarke:

Geburtsdatum: 1922

Geburtsort:

Verbleib:      leicht verwundet nach Fallschirmabsprung

Absturzursache:      Vorangegangener Luftkampf und Flakbeschuß

 

 
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