Fliegerschicksale über Lumda, Lahn und Ohm
  15. Oktober 1944
 
Rabenau-Kesselbach, Sonntag, 15. Oktober 1944
 

Zwischen Rüddingshausen und Kesselbach gab`s einen Flugzeugabsturz
mit fünf Toten
(Die Geschichte wurde recherchiert von Horst Jeckel und Dirk Sohl )


Bilder, die seit der Kindheit irgendwo im Kopf festsitzen, kommen in regelmäßigen Abständen immer wieder mal ans gedankliche Tageslicht. Erlebte Zeitgeschichte also, bei der Fakten und Fiktion eine Verbindung eingehen. Auch heute noch. So erging es auch Helmut und Heinrich Hormann manchmal. Die Brüder erinnerten sich im Gespräch mit gemeinsamen Freunden aus der Schulzeit auch jetzt noch ganz exakt an den Absturz eines Flugzeuges mit fünf Toten. Ein Unglückserlebnis aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, erlebt zwischen Kesselbach und Rüddingshausen.

(v. links: Rudi Hartz, Helmut Hormann, Karl Schnell, Karl-Heinz Weimer (+), Heinrich Hormann)(Foto: Horst Jeckel)


Es war Sonntag, der 15. Oktober 1944: An diesem Tag herrschte im Lumdatal dichter Nebel. In Londorf und den umliegenden Dörfern kamen die Menschen bereits vom Kirchgang. Helmut Hormann steht auf der Treppe des elterlichen Anwesens in Kesselbach, als er das Motorengeräusch eines offensichtlich größeren Flugzeugs hört.

 (Die Kirche in Londorf in den 40er-Jahren)(Foto: Horst Jeckel)


Er erinnert sich: "Ich war bei den Konfirmanden und gerade aus der Londorfer Kirche gekommen. Wegen der ständigen Tiefflieger begann die Kirche früher als heute. Bei mir waren noch meine Freunde Heinrich Becker und Kurt Schnell. Über uns hinweg flog ganz tief eine deutsche, zweimotorige Maschine. Das tiefe Brummen hatten wir schon eine ganze Weile im Nebel gehört. Ich glaube, die sind sogar gekreist damals, so kam es uns jedenfalls vor. Ganz schön tief flogen die.

 (Heinkel He 111 im Überflug)(Foto: Horst Jeckel)


Nur kurze Zeit später hörte man einen lauten Schlag. Da wussten wir, da ist was passiert."
Bei dem Flugzeug handelte es sich um einen zweimotorigen Bomber der Luftwaffe, eine Heinkel "He 111". Im Bereich des Steinbergs 
(349 m) im Wald zwischen Kesselbach und Rüddingshausen streifte die Maschine einige Baumkronen und stürzte dann ab.

Dies hörte man auch im nahen Rüddingshausen.


Karl-Heinz Weimer, damals 14 Jahre alt: "Wir hörten das Brummen eines tief fliegenden Flugzeugs. Dabei dachten wir, der nimmt bestimmt noch den Kirchturm mit und kurze Zeit später ein lautes Knirschen mit einer Explosion aus dem nahen Wald. Zusammen mit meinen Freunden Erwin Peter (+) und Walter Krug, bin ich sofort in diese Richtung gelaufen".
Walter Krug: "Unterwegs sahen wir schon gekappte Baumspitzen und viele Äste auf dem Weg liegen. Bald auch Teile einer Tragfläche mit dem Balkenkreuz. Die stammte von dem Flugzeug."


Helmut Hormann lief mit seinen Freunden in Kesselbach ebenfalls los. Unterwegs in der Gemarkung "Alter Born", trafen sie den Gendarm Blumenfeld und halfen diesem noch, sein nicht mehr laufendes Zündapp Moped zu schieben.

Gemeinsam trafen sie so an der Unglücksstelle ein. Dort bot sich ihnen ein Bild des Schreckens.

Helmut Hormann:" Einer der Insassen bestand nur noch aus seinem Oberkörper. Die Fliegerkappe hatte er dabei noch auf dem Kopf. Bei einem anderen fehlte ein Arm. Förmlich aufgespießt hing ein weiterer in den Ästen eines Baumes. Ein schrecklicher Anblick, den ich bis heute nicht vergessen habe. Ein großes Blechstück mit einem Typenschild und andere Teile haben wir damals mitgenommen."

(Helmut Hormann und Dirk Sohl an der Absturzstelle)(Foto: Horst Jeckel)

 

Engelhart Schmidt, gebürtiger Rüddingshäuser  aber schon lange im Taunus ansässig war mit seinem Cousin Horst Curth ebenfalls zur Absturzstelle geeilt. Beide erinnern sich besonders an einen der Soldaten, der nur noch aus dem Oberkörper bestand.

Engelbert Schmidt: "Er hatte die Augen offen und schaute uns an. Man dachte der müsste noch leben." ... und Curth ergänzte: "Rund herum brannte es und es roch furchtbar."

 

Die kleine Firma Curth aus Rüddingshausen - eigentlich mehr ein Familienbetrieb - erhielt nach dem Krieg eine Erlaubnis von den Amerikanern zur Bergung von Flugzeugwracks. Von diesen gab es in Mittelhessen nach Kriegsende mehr als genug.

 

Ziel war die Verwertung des Metalls. Manchmal fanden die Ausgräber aber auch noch die Insassen der Flugzeuge in den Trümmern. So im Jahre 1951 den Hauptmann Franz Herdlicka bei Schotten Betzenrod.




(Fotos von oben zeigen die Grabung bei Schotten-Betzenrod - den Ende März 1945 abgeschossenen Hauptmann Franz Herdlicka (eigentlich Hrdlicka - aber nach der Übersiedlung nach 1945 von Brünn nach Bayern, ließ die Familie ein „e“ einfügen wegen der einfacheren Aussprache) sowie sein Flugzeug, eine Focke Wulf Fw 190 D 9.)(Fotos Horst Jeckel)  



 
 
(Ein Brief von Franz Hrdlicka an die Eltern in Maxdorf/Brünn und beim Baden mit Freunden.)(Fotos: Horst Jeckel)

Aber auch bei Schwalheim war die Firma Curth aktiv. Hier war es eine Messerschmitt Bf 110 die am 17.08.1943 abgestürzt war. Der Flugzeugführer Olt. Hans Engels konnte sich mit dem Fallschirm retten. Der Bordfunker Uffz. Horst Janisch dürfte hingegen heute noch dort in der feuchten Wiese liegen. Die Fa. Curth grub damals einige Meter tief an der Absturzstelle musste aber nach einigen Wochen aufgeben, da immer wieder Wasser eindrang und eine Bergung schließlich unmöglich machte.


 

(Fotos: Grabung bei Schwalheim - Olt. Hans Engels – sein Flugzeug Messerschmitt Bf 110)(Fotos: Horst Jeckel)


(Zeitungsbericht von 1951 zur Bergung des Hauptmann Franz Herdlicka)

 

Zurück in den Wald zwischen Kesselbach und Rüddingshausen des 15. Oktobers 1944:

Karl Schnell befand sich mit einem Soldaten der Wehrmacht, der in Kesselbach stationiert war, zufällig in der Nähe. Auch er lief sofort zur Absturzstelle: "Der Soldat war ein Pilzexperte und hatte mich in den Wald mitgenommen. Wir hatten es daher nicht weit. Ich erinnere mich noch genau an die verstreut herum liegenden Gliedmaßen. Eine abgerissene Hand im Handschuh sehe ich heute noch vor mir. Die Kanzel des Flugzeugs war ziemlich ganz geblieben bei dem Absturz."

Karl-Heinz Weimer: "Wir entdeckten auf dem Weg vor der eigentlichen Absturzstelle eine der Bordwaffen. Diese versteckten wir gleich in einer Fichtenschonung. Einige Tage später holten wir das Maschinengewehr. Um kein Aufsehen im Dorf zu erregen, zogen wir es mit einer Schnur am Boden liegend hinter uns her bis in eine Scheune. Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner Ende März 1945 warfen wir es dann aus Angst in einen kleinen Teich bei Rüddingshausen."

 

Walter Krug erinnert sich noch: "Der Geruch der teilweise verbrannten Menschen und auch von den Flugbenzin machte mir schwer zu schaffen. Ich habe einige Tage nichts essen können. Trotzdem nahmen wir uns alle ein paar Teile der Maschine mit nach Hause. In Rüddingshausen wurde später immer erzählt, dass kurz vor dem Absturz noch eine Tasche mit Karten und Dokumenten aus dem Flugzeug abgeworfen wurde."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Familie Heinrich Hormann mit den Buben Heinrich und Helmut)(Foto: H. Hormann)


Heinrich Hormann (Jahrgang 1906), der Vater der Brüder Helmut und Heinrich, Wagnermeister und im Jahre 1943 in Russland schwer verwundet, übernahm zusammen mit Wilhelm Schomber und Karl Hillgärtner aus Kesselbach die Bewachung der Absturzstelle.
Die Brüder Hormann wissen aus Erzählungen des Vaters und aus Gesprächen der Dorfbewohner in der elterlichen Werkstatt, dass es wohl sehr kalt war in dieser Nacht. Daher suchten die Männer Schutz im abgerissenen Rumpf der Maschine, auch ein Feuer haben sie gemacht, zum wärmen, aber auch um die Füchse von der Unglücksstelle zu vertreiben.
Am darauffolgenden Tag, kamen dann weitere Soldaten und begannen mit der Bergung und dem Abtransport der größeren Flugzeugteile. Wilhelm Schäfer hatte mit seinem Pritschenwagen, gezogen von Gaul Max (der war bekannt im ganzen Dorf), den Transport der Särge übernommen. Bei einem soll das Gewicht mit Flugzeugteilen entsprechend aufgefüllt worden sein. Die Särge wurden von Schreinermeister Heinrich Schäfer angefertigt.

 (Kesselbach Borngasse - Spritzenhaus, Gemeinde Viehwaage, Backhaus)(Foto: Horst Jeckel)

 

Die toten Soldaten waren zunächst in dem alten Spritzenhaus, einem kleinen Fachwerkhäuschen in der Borngasse, aufgebahrt. Die Hälfte davon diente damals als Backhaus. Auch die Gemeindeviehwaage befand sich dort. In der anderen Hälfte war die handbetriebene Feuerwehrspritze untergestellt. Diese musste für die Unterbringung der Särge weichen.


 

(Verlustmeldung der Luftwaffe mit den Daten der Besatzung der He 111 des KG 55. Am Freitag dem 24. Oktober 1944 nahm der evangelische Pfarrer (von 1928-1945) Philipp Bühler, "Mittags um 4 1/2 Uhr", in Kesselbach die Beerdigung vor.)


(Pfarrer Philipp Bühler inmitten der Konfirmanden im März 1945)

 

So steht es in den kirchlichen Unterlagen der Gemeinde zu lesen. Jutta Heise, Gemeindesekretärin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Londorf, und Arndt Roswag hatten sich die Mühe gemacht und die alten Unterlagen gesichtet. Dabei tauchte auch ein Briefwechsel zwischen Pfarrer Bühler und seinem Amtsbruder in Augsburg auf. Der dortige Pfarrer Simon hatte Josef Schillings, den Bordfunker, erst kurz zuvor getraut.

(Hochzeitsfoto Josef Schillings)

 

Dessen junge Frau war seine Konfirmandin und auch deren "erstes Kindlein" hatte er in seiner Kirche getauft. Er bedankt sich bei Pfarrer Bühler für die ausführliche Schilderung der Beerdigung, klagt gleichzeitig an, dass wegen "Geheimhaltung militärischer Belange" die Familie Schillings nicht rechtzeitig über die Beerdigung informiert worden sei (datiert: Augsburg, 6. Dezember 1944).


Heinrich Hormann, der heute in Laubach wohnt: "Ich erinnere mich noch genau an die Ehrenformation und an eine Militärkapelle. Auch Salutschüsse an den Gräbern hat es gegeben. Wir standen zusammen mit den aus Frankfurt evakuierten Zwillingen Lutz und Gerd Schenk an der Sandkaute.

Von dort konnten wir das Geschehen genau beobachten. Das hat mich schwer beindruckt damals. Wir suchten nach der Beerdigung gemeinsam die leeren Patronenhülsen von den Salutschüssen. Doch die Soldaten hatten wohl schon alle aufgelesen":

   

 

 

 

 

 

 

(Heinrich Hormann mit seinem Enkel an der Absturzstelle)

 


 

(Die Gräber auf dem Friedhof Kesselbach - im Hintergrund die frühere Schule und heutige Dorfgemeinschaftshaus.)


Rudi Hartz weiß noch, dass sein Großvater Hermann Kaufmann, 1944 der Bürgermeister von Kesselbach, "Eine ergreifende Rede an den offenen Gräbern gehalten hat" und das sich Heinrich Diener aus Kesselbach "anschließend viele Jahre um die Gräber gekümmert hat."

Im Februar 1959 kamen Mitarbeiter der Kriegsgräberfürsorge nach Kesselbach und nahmen die Umbettung in das Kloster Arnsburg bei Lich vor.

 

Am 1. August 1960 wurde diese Kriegsgräberstätte feierlich und unter großer Anteilnahme eingeweiht. Dort ruhen die fünf Flieger noch heute.





Es waren dies:

Flugzeugführer Feldwebel Heinz Kirchmeyer (*08.07.1920 in Bremen),

Beobachter Feldwebel Karl Krupitza (*14.02.1919 in Rabensburg/Donau),

Bordfunker Unteroffizier Josef Schillings (*04.08.1918 in Neusern/Aachen),

Bordschütze Unteroffizier Hugo Friedrich (*29.06.1920 Giersdorf Krs. Hirschberg) und

Bordwart Obergefreiter Fritsch Schollmeyer (*05.01.1924 Borgholzhausen).

Sie alle gehörten zur 8. Staffel des Kampfgeschwaders 55 "Greif". Dieses wurde Ende der 1930er-Jahre in Gießen aufgestellt und war mit Teilen auch kurz auf dem dortigen Flugplatz stationiert.




(Fliegerhorst Gießen – Eingangsbereich von der Rödgener Staße)




   (Fliegerhorst Gießen)

 

Die Maschine, die an diesem Sonntagmorgen abstürzte, befand sich wohl auf einem Überführungsflug. Die Heinkel He 111 der Baureihe H-6 mit der Werknummer 4401 und der Kennung "A1+BN" war zuvor für das Kampfgeschwader 53 im Einsatz. Im Herbst 1944 wurden mit diesen Maschinen viele Versorgungsflüge zu den von den deutschen Truppen besetzten, aber abgeschnittenen Atlantikstützpunkten der Marine, wie Brest, Lorient, La Rochelle, aber auch der Kanalinsel Guernsey durchgeführt. So wurde z. b. von Zellhausen, einem Flugplatz bei Seligenstadt, gestartet, aber auch von Plätzen bei Groß-Ostheim und Frankfurt am Main.

Auf in Kesselbach noch vorhandenen Fotos der Gräber, aufgenommen vom ehemaligen Bürgermeister von Kesselbach, Wilhelm Großhaus (1950-1972), stellte man fest, dass neben einem Gedenkkreuz aus Holz, welches vor den Gräbern platziert war, noch sechs Grabkreuze in Reihe zu sehen waren. In dem Flugzeug aber waren ja nur fünf Männer.

Hierzu wusste Karl Schnell zu berichten: "Nach dem Einmarsch der Amerikaner waren wir zu Fuß auf dem Weg von Kesselbach nach Rüddingshausen unterwegs. Die Wälder lagen voll mit allerlei weggeworfenen Ausrüstungsgegenständen, aber auch zahlreichen Waffen und Munition, die vom Rückzug der Wehrmacht stammten. Viele Pferde standen umher. Ca. 200 Meter nach der Kreuzung, auf der Straße nach Rüddingshausen, wurden wir von amerikanischen Soldaten angehalten. Sie befahlen uns einen dort im Graben liegenden Toten zu begraben. Die hatten ja immer solche Angst vor Seuchen. Der junge Soldat in deutscher Uniform hatte einen Kopfschuss und auch eine Hand war ihm bei den letzten Gefechten abgeschossen worden.

(Frauen und Kinder aus Kesselbach und Gießen beim Spaziergang auf der Kreuzung der Landstraße Rüddingshausen, Odenhausen, Kesselbach und Weitershain im Jahre 1944)


Wir besorgten einen Handwagen und holten beim "Gräfe Heinrich" in Kesselbach einen Sarg. In der Gemarkung "Schiffelbach" stand ein langer, ausgebrannter Lazarettzug und auch viele zerstörte Wehrmachtsfahrzeuge verstopften die Straßen. Daher sind wir damals über Odenhausen zurück nach Kesselbach gelaufen. Den Sarg, mit dem Stahlhelm des Gefallenen oben drauf, zogen wir hinter uns her.

Am Odenhäuser Kreuz stoppte plötzlich ein Lkw der Amerikaner. Die Soldaten stiegen aus und zu unserem Erstaunen salutierten sie vor dem Sarg. Dann fuhren sie weiter. Dies habe ich bis heute nicht vergessen. Mit dem Fünfuhrläuten wurde der Soldat dann direkt neben den fünf Fliegern beerdigt."

Ich fand heraus, dass es sich bei dem im Straßengraben zwischen Kesselbach und Rüddingshausen tot aufgefundenen Wehrmachtssoldaten um den Kanonier Ferencz Soltencz (Flak-Ersatz-Abteilung 1) gehandelt hat. Er war beim Einmarsch der Amerikaner am 29. März 1945 ums Leben gekommen. Er stammte aus Tiszaszöllös/Ungarn (gelegen am Theiß-See, etwa 100 Kilometer östlich der Hauptstadt Budapest). Geboren war er am 14.01.1924. Auch der Vater hieß Ferencz , die Mutter Maria geb. Szanyi.

(Die Grabplatte von Ferensz Soltecz)(Foto: Horst Jeckel)

 

Engelhart Schmidt weiß noch, dass beim Einmarsch der Amerikaner 16 Wehrmachtssoldaten in Rüddingshausen und 9 im benachbarten Wermertshausen ums Leben kamen. "Es wurde von den Amerikanern mit Artillerie immer auf die Kreuzung Odenhausen/Weitershain geschossen". Karl Faulstich ergänzt: "Ein Amerikaner kam ein paar Tage nach dem Einmarsch unter die eigenen Panzerketten und starb. Er wurde zunächst in Rüddingshausen auf einer Wiese beerdigt, nachdem er ein paar Tage auf einem Feldbett direkt an der Hauptstraße gelegen hatte. Damals wurde erzählt, dass er sogar Verwandtschaft in der Rabenau gehabt und vor dem Krieg ausgewandert war".

Vergessen sind aber auch die fünf abgestürzten Flieger nicht. Vor allem natürlich bei den Angehörigen. Franz, der Bruder von Josef Schillings und im Krieg bei der Marine, erzählte von der kurz zuvor geschlossenen Ehe seines Bruders mit Else in Augsburg und der Geburt des Sohnes Werner. Auch hätte Josef Schillings 1943 bei einem Abschuss seiner Maschine nahe Orel/Russland schwer verletzt hinter den russischen Linien gelegen. Die Russen plünderten ihn zwar aus, töteten ihn aber nicht. Nach seiner glücklichen Rettung kam er in ein Lazarett nach Wien. Erst nach über einem Jahr war er wieder einigermaßen genesen.

Einem Brief der 8. Staffel des KG 55 vom 21.10.1944, gerichtet an die junge Ehefrau und Mutter, ist zu entnehmen, dass Josef Schillings "wegen seiner Tapferkeit, seiner echten soldatischen Tugenden und nach über 100 Feindflügen" noch nachträglich zum Feldwebel befördert wurde. Als Absturzgrund wird von dem Unterzeichner Leutnant Merkel "Blindflug und Bodenberührung" angegeben.






(Josef Schillings Gruß an die Mutter)


Die Schwester von Fritz Schollmeyer, Hildegart Paulsmeyer, schickte Fotos ihres einzigen Bruders. Mal mit einem Segelflugzeug in der Hand, dem Hund oder beim Baden an einem kleinen See. Auf der Rückseite zu lesen: "Sommer 1944".



 (Fritz Schollmeyer im Sommer 1944)

Erika, die Nichte von Karl Krupitza aus Österreich, erzählte vom letzten Besuch ihres Onkels "Karli" in Rabensburg (Nieder-Österreich, ca. 70 km von Wien gelegen). Sie übersandte die Todesanzeige von "Feldwebel Karli Krupitza" der nach "4-jährigen Fronteinsatz im 26. Lebensjahr, westlich Gießen den Fliegertod fand". Gleichzeitig spendete sie auch im Namen ihrer Schwester Irene und ihrer Cousine Nora einen Geldbetrag für die Kriegsgräberfürsorge.



(Karli Krupitza beim Besuch der Familie in Österreich)




(Heinz Kirchmeyer der Flugzeugführer der He 111)

 

Der Neffe von Heinz Kirchmeyer hatte immer gehört, dass sein Onkel im Krieg abgeschossen worden sei. Er freute sich nun nähere Umstände zu erfahren und hat auch einen Besuch in der Rabenau angekündigt.

 

Sein Vater Fritz, der 1998 verstorben ist, hatte immer von seinem älteren Bruder Heinz und dessen Leidenschaft für die Fliegerei erzählt.

 

Er besuchte dessen Grab anlässlich eines Geschwadertreffens des KG 55 am 25.05.1957 in Gießen bzw. Heuchelheim und war auch zu Gast bei Bürgermeister Großhaus in Kesselbach.

(Heinrich Großhaus aus Kesselbach kümmerte sich um die Gräber)

 

Der Vater Fritz Kirchmeyer Sen., schickte jeweils zum Volkstrauertag Geld für einen Kranz nach Kesselbach und bedankte sich immer sehr herzlich für die Pflege der Grabstätte.

 

Die Suche nach Hugo Friedrich aus Zillerthal-Erdmannsdorf (damals Niederschlesien) brachte erst nach einer Suchanzeige in der Zeitung "Schlesische Bergwacht" Erfolg.
Schnell meldete sich ein Herr Rybarczyk.

 

In dessen damaligen Elternhaus in Zillerthal-Erdmannsdorf im Kreis Hirschberg lebte Hugo Friedrich. Sportlich und technisch interessiert sei er gewesen. Vor dem Krieg wohnte er dort mit seiner Mutter Auguste und der älteren Schwester Elli im 2. Stock. Gemeinsame Fotos entstanden beim Skifahren im nahen Riesengebirge.

 (Grabplatte im Kloster Arnsburg)

 

 

Anm.: Dirk Sohl/Horst Jeckel:

Um 1990 herum wurde Dirk Sohl auf die Absturzstelle im Wald zwischen Rüddingshausen und Kesselbach aufmerksam. Ein Absuchen der Unglücksstätte brachte nach fast 50 Jahren noch viele kleinere Trümmerteile der Maschine zum Vorschein. Auch Ausrüstungsgegenstände der 5 Besatzungsmitglieder wurden gefunden. Neben einer Fliegeruhr und einer verschmolzenen Frontflugspange für Kampfflieger wurde auch ein Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen aus der Zeit des 1. Weltkrieges gefunden und als Hauptfund ein rotgoldener Ehering mit der Inschrift "Gisela".

 

Gut 20 Jahre später war man dann mit den beiden Hormann Brüdern Heinrich und Helmut an der Absturzstelle. Erneut kamen viele kleinere Trümmerteile wieder ans Tageslicht - nach nunmehr 65 Jahren. Aber auch ein spezielles Holzfällerbeil fand man. Helmut Hormann war in den 50er Jahren genau an dieser Stelle mit Aufforstungsarbeiten beschäftigt. Die He 111 hatte doch eine ziemliche Schneise in den Wald gerissen. Dabei war wohl auch die Axt verloren worden.

 (Bei einem Unfall im Wald zog sich Helmut Hormann 1955 Verletzungen zu)




(Helmut Hormann freut sich nach 50 Jahren über die wiedergefundene Forstaxt.)(Foto: Horst Jeckel)


(Ein kleines Teil der Fundstücke aus den 1990er Jahren)(Foto: Horst Jeckel)
 

(Das Ergebnis der Nachsuche - ImVordergrund weitere Überbleibsel der He 111- gezeigt u. a. bei der Ausstellung "Fliegerschicksale im Heimatmuseum in Rabenau - Londorf) (Foto: Horst Jeckel)

(Ausstellung Fliegerschicksale Heimatmuseum Londorf)(Foto: Horst Jeckel)



   (Schreiben zur Anlegung des Ehrenfriedhofes Kloster Arnsburg von 1958)




(Kloster Arnsburg - Einweihung Kriegsgräberstätte 1. August1960 – dort liegen die fünf Flieger und der junge Soldat heute noch.)

 

Absturz eines zweimotorigen deutschen Kampfflugzeuges


 

Ort:                     Im Wald zwischen Rüddingshausen und Kesselbach
 
Datum:                15. Oktober 1944
 
Uhrzeit:                ca. 09.20 Uhr

Flugzeugtyp:         Heinkel He 111 H-6

Werknummer:       4401

Kennung:              A 1 + B N

Motoren:               2 flüssigkeitsgekühlte Zwölfzylinder 
                            hängende V-Motoren Junkers Jumo 211 D

Einheit:                 8. Staffel/ Kampfgeschwader 55

Startflughafen:                                 

Auftrag:                Überführungsflug

Besatzung:                                      

Flugzeugführer:     Fw. Heinz Kirchmeyer (*08.07.1920 Bremen)    Gef.

Bordfunker:          Uffz. Josef Schillings (* 04.08.1919 Neusern)    Gef.

Kampfbeobachter: Fw. Karl Krupitza (*14.02.1919 Rabensburg)     Gef.

Bordwart:             Ogfr. Fritz Schollmeyer (* 05.01.1924 Borchh.) Gef.

Bordschütze:         Uffz. Hugo Friedrich (* 29.06.1920 Giesdorf)    Gef.

Absturzursache:    Bodenberührung inf. Verorientierung

  

 

 
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