Fliegerschicksale über Lumda, Lahn und Ohm
  Der Feldflugplatz Kirtorf
 


Flugplatz Kirtorf Heute: Quelle Google Erarth

Der Einsatzhafen im Kriegsfall ( E- Hafen) Kirtorf

Den ausländischen Spitzenpolitiker war es Ende 1936 schon lange klar, dass sich Deutschland auf einen Krieg vorbereitete.
Für die sogenannten " Blitzkriege" wurden dann im gesamten deutschen Reich für Einsätze viele kleine Feldflugplätze angelegt, so auch in Kirtorf, Bracht, Treysa, Rothwesten, Kassel und Fritzlar.
Der Ausbau des Fluplatzes begann 1935 und endete 1939, dabei wurden umfangreiche Rohrleitungssysteme für Wasser und Treibstoffe angelegt. Zeitgleich entstand in Allendorf eines der größten Munitionswerke in Europa, ein Gleisanschluss ( Schmalspurbahn ) führte vom Munitionswerk Allendorf gut getarnt im Wald zum Flugplatz.
Hier sei noch zu erwähnen, daß im Werk Allendorf ( DAG, WAASAG ) auch teilweise die Sprengköpfe der
V1 ( Vergeltungswaffe 1 ) und Srengköpfe der V2 hergestellt wurden. Noch heute kann man teilweise die Herstellungsgebäde sehen. Um 1938 hatte man auf dem Flugplatz noch in aller Eile den nordwestlichen Bogen ausgebaut, dabei den Forst Wahlen gerodet und so eine Größe von ca. 160 ha erreicht. Mit seiner Hauptstartrichtung gegen Nordwesten liegt er sehr exponiert in Mitteldeutschland und gewährleistet eine nahezu gleiche Entfernung nach Osten und nach Westen, sehr zentral für die damaligen Verhältnisse.

Infrastruktur auf dem E - Hafen

Neben den üblichen Gebäuden wie Küchenbaracken, Kantine, Werftgebäude, Kommandantur, Platzlandwirt
( alle Gebäude wurden mit Fachwerkanstrich versehen so ähnelte die ganze Anlage als Hofgut oder als großes Landwirtschaftliches Gehöft ) wurden noch 1944 in aller Eile zusätzliche Baracken im nördlichen Bereich angelegt. Leider ist heute nicht mehr festzustellen welche Funktion die Baracken hatten.
Zum Schutz des E- Hafens wurden Flakgeschütze rund um den Platz in sogenannten Flaktürmen stationiert, diese Flaktürme wurden in den Wald gebaut und ragten ca. 2m über den Baumwipfeln hinaus. Sie waren anfangs mit 2 cm Solowaffen und ab 1944 mit 2 cm Vierlingsflak besetzt. Desweiteren entstanden im nordöstlichen Bereich mehrere Splitterschutzboxen für Jagdflugzeuge und im Wald an der östlichen Seite Richtung Wahlen mehrere Munitionsbunker. Der Hauptzugang zum E - Hafen befand sich nördlich von Kirtorf, an der dortigen Platzzufahrt befand sich ein RAD Lager für das Personal ( Platzbewachung ). Mehrere sogenannte Einmannlöcher waren rund um den Platz angelegt worden. Zu diesen Arbeiten hatte man alle abkömmlichen Personen aus den umliegenden Dörfern abkommandiert, auch Frauen und Fremdarbeiter.

Stationierte Einheiten auf dem E- Hafen

Im Laufe des Kriege wurden mehrere Einheiten auf dem E- Hafen Kirtorf stationiert. Deweitern fungierte er als Schulungsplatz für Piloten.
Anfang 1940 verlegte das Kampfgeschwader 1 ( KG 1) " Hindenburg " nach Kirtorf. Aufgestellt am 01.05.1939 in Kolberg als KG 1 " Hindenburg Festung Kolberg " später umbenannt in KG 1 Hindenburg.
Das KG 1 flog die bewährte Heinkel He 111 ein 2mot. Mittelstreckenbomber der bis 1945 bei der Luftwaffe im Einsatz blieb.
Die Einsatzhäfen des KG 1 waren :
Als Leithorst Giessen: mit dem Stab und der I. Gruppe mit der 3.und 4. Staffel
E- Hafen Kirtorf : II. Gruppe mit der 6. und  7. Staffel
E- Hafen Ettingshausen : III. Gruppe mit der 2. und 5. Staffel.
Von Februar 1940 bis Juni 1940 flogen die He 111 der KG 1  von Kirtorf mit dem gesamten Verband
( I.- III. Gruppe ) Einsätze gegen Frankreich. Ab August verlegte die II. Gruppe nach Belgien und flog Einsätze gegen England.




He 111 KG 1 " Hindenburg" auf dem E- Hafen Kirtorf          
Quelle : Kattner , Romrod 
nicht zum Download freigegeben.

Im Januar 1941 belegte die Flugzeuführerschule C11 den Platz. Hier wurden die zukünftigen Kampfpiloten ausgebildet. Zu dieer Zeit sah man unzählige Flugzeugtypen auf dem Platz. Im Rahmen der Ausbildung
erfolgte auch eine Ausbildung zum Jagdpiloten es folgte die Flugzeugführerschule A / B 119, hier erlernten die jungen Piloten erste taktische Flugmanöver. Viele einsitzige Flugzeugtypen sah man jetzt auf dem Platz. Vereinzelt tauchten auch einige einmotorige Messerschmiit Bf 109 zu dieser Zeit auf, es waren Jagdmaschinen die den Platz nutzten wenn ihre Heimathorste belegt waren. Sie nutzten ihn als Ausweichhafen.
Der E- Hafen Kirtorf wurde bis 1944 als Schulungshafen benutzt.

August 1944

Ab August 1944 belegte das abgekämpfte Jagdgeschwader 3 "Udet" mit der II. Gruppe den E- Hafen Kirtorf. Das Jagdgeschwader 3 wurde jetzt auch umgerüstet von der Messerschmitt Bf 109 F bzw. G auf die
Messerschmitt Bf 109 G10 und G14. Die anderen Gruppen des Geschwaders lagen in Rothwesten und in Ziegenhain.


JG 3 in Kirtorf September 1944
Quelle: Uli Dörr, Buch: Hans Waldmann 


                                                   
Im Dezember 1944 belegte ein Staffel des Schlachtgeschwader 4 von der II. Gruppe den Platz in Kirtorf, sie war ausgerüstet mit der bulligen Focke Wulf 190 F-8 und blieb bis Januar 1944. Hier liegen keine weiteren Daten vor, nur soviel das das Schlachtgeschwader ( SG ) 4 den Platz Kirtorf als Rückhaltehorst nutzte. Der Leithorst der SG 4 war Köln/ Butzweilerhof.


FW 190 F-8 "rote 10" SG4  Butzweilerhof
Quelle: Uli Dörr "rote 10" SG4

Von März 1945 bis April 1945 wurde die Nachtschlachtgruppe 2 nach Kirtorf beordert. Sie war ausgerüstet mit Junkers Ju 87 D3 / D5 / D7. Jetzt wurden auch Einsätze gegen die Rheinbrücken geflogen.
Ob jetzt auch Einsätze gegen die Brücke von Remagen geflogen wurden ist nicht bekannt. Jedoch wurden Einsätze gegen die Brückenköpfe von Oppenheim geflogen.


JU 87   3. NSGR 2 D3+N5 Fw. Miessbach
Quelle : Uli Dörr /  Miessbach USA    nicht zum Download freigegeben

Noch im März 1945 bis April 1945 befand sich das Transportgeschwader  ( TG ) 3 mit der III. Gruppe ausgerüstet mit Junkers Ju 52 auf dem Platz. Hier wurden Versorgungsflüge geflogen. Mitte April 1945 endete der Flugbetrieb auf dem E- Hafen Kirtorf.


JU 52  III./ TG 3 April 1945 Kirtorf
Quelle: Kattner , Romrod  / Uli Dörr           nicht zu Download freigegeben


Tactical Operations der RAF ( Royal Airforce ) USAAF ( USA Airforce )

Bereits 1941 wurde der E- Hafen Kirtorf von der RAF und der USAAF kontrolliert. Es folgten mehrere Störangriffe und Jabo ( Jagdbomber ) Angriffe. Der Platz bekam von der USSAF die Codebezeichnung Y86.
Der schwerste Jabo Angriff erfolgte am 15. März 1945 ausgeführt von Thunderbolts und Lightnings der USSAF, neben einigen jungen Soldaten kamen auch dabei zwei junge Kirtorferinnen sowie ein Gleimenhainer Mann umsleben. ( Quelle: Walter Dickhaut + ). Am 24. März 1945 erfolgte ein schwere Bombenangriff auf Kirtorf und die benachbarten E - Häfen statt. Unter dem Decknamen "Operation Plunder und Varisty" flogen am 24.März 1945  182 B26 und  B 24 Liberators Angriffe auf Kirtorf, Störmede, Treysa und Ziegenhain.
OP. Plunder und Varisty bedeutung : Angriffe auf deutsche Flughäfen und deren Zerschlagung, sowie Allierte Überschreitung des Rheins auf linksrheinischer Seite.

Erster Tactical Report USSAF 23.03.1945
übersetzt Uli Dörr

182 B26 der 186. Mittelschweren Bombergruppe fliegen Angriffe auf Sörmede ( 96 Maschinen),
Kirtorf ( 65 ) Maschinen, Ziegenhain (9 Maschinen ) und Treysa ( 11 Maschinen). bombardierung Nachmittags.

Quelle. 386. MBG, 9th USSAF

Zweiter Tactical Report USSAF 24. 03.1945
übersetzt Uli Dörr

790th. Bomberstaffel, 467. Bombergruppe
Missionsnummer: 203
Datum: 24.03.1945
Tag: Samstag
Ziel 1 : Kirorf, Flugplatz
Ziel Beurteilung/ Resultat: hervoragend
Flugzeugtyp: 9 B24 Libarator mit voller Bombenzuladung und voller Eskorte.
Keine Flak, ruhiger Flug

Quelle : 790th BS. 467. BG USAAF

Es flogen nach Angaben der USSAF, 9 Consolidated B24 "Liberator" von der 790th. BS  mit voller Eskorte
( Begleitjäger, P51 oder Thunderbolt ) und 65 B26 " Martin Marauder" von der 186. MBG den Angriff. Der Platz wurde völlig zerstört und wurde nicht mehr für den Flugbetrieb instandgesetzt. Die restlichen flugfähigen Maschinen des TG 3 und des NSG 2 verlegten nach Osten auf die noch wenigen intakten
E - Häfen.


E- Hafen Kirtorf am 25.03.1945 nach der bombadierung der 186th.und 790th. MBG und BS. USSAF Militärarchiv
Quelle Uli Dörr / USSAF Militärarchiv Luftaufnahme              

Nach dem Krieg wurde der E- Hafen Kirtorf als Sprengplatz für Fundmunition verwendet. Man sieht heute noch vereinzelte Bombentrichter. Ende der sechziger Jahre wurde der Platz für die Bundeswehr als Truppenübungsplatz bis in die neunziger Jahre genutzt. Danach wurde der Platz komplett für Bundewehr und Zivil gesperrt. da noch immer gefährliche Blindgänger sich auf dem ehemaligen Fliegerhorst Kirtorf befinden.
Zur zeit üben dennoch dort auf den freigegebenen Flächen , Einheiten der schnellen Eingreiftruppe DSO der Bundeswehr. Auf ca. 60 % der Fläche lauern aber immernoch die Gefahren der Munitions- und Bombenvernichtung. Ein betreten ist heute noch lebensgefährlich und strengstens verboten.

Uli Dörr, Fliegeschicksale über Lahn, Lumda und Ohm

------------------Bericht und Bilder stehen unter Copyschutz, kopieren und vervielfältigen verboten---------------------------



   








 
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