Fliegerschicksale über Lumda, Lahn und Ohm
  Fliegermorde
 
Chronlogische Aufstellung der Ereignisse
zu den
Fliegermorden im Dezember 1944
im Gebiet des ehemaligen 
Landkreis Biedenkopf

Erstellt und niedergeschrieben
von Robert Steiner, Ebsdorfergrund:





Absturz eines viermotorigen britischen Bombers

Ort:                      Gladenbach-Erdhausen, am nördlichen Rand des Dorfes

Datum:                06. Dezember 1944

Uhrzeit:               ca. 20:20 Uhr

Flugzeugtyp:       Avro Lancaster B.I

Werknummer:     PD264

Hersteller:          Metropolitan-Vickers Ltd., Trafford Park, Manch., Mosley Rd. Works

Motoren:            4 wassergekühlte 12 Zylinder Rolls-Royce Merlin XXIV

Einheit:              No. 57. Squadron, No. 5 Group

Kennung:           D X (Kokarde) K

Heimatflughafen: East Kirkby in Lincolnshire

Startzeit:           16.30 Uhr

Angriffsziel:     Gießen - Innenstadt

Absturzursache: Nachtjägerbeschuss

Besatzung: Pilot: F/O William Riddell (RAF), *09.05.1922 in Aberdeenshire, Schottland - gefallen

Bordmechaniker: Sgt. John Scott (RAF), 24 Jahre, aus Lossiemouth Morayshire, Schottland – ermordet

Navigator: F/S Peter Douglas Mann (RAF), 23 Jahre, aus Wimbledon Park in Surrey, England - gefallen

Bombensch.: F/S Neil F. D. McGladrigan (RAAF),*08.12.1922, aus Kallangur, Queensland, Australien - ermordet

Bordfunker: F/S Frank A. Black (RAAF), 31 Jahre, East Brisbane, Queensland, Australien - gefallen

Mittelturmschütze: Sgt. Robert Shaw McKillop (RAF), 20 Jahre, Stirling, Schottland - gefallen 

Heckschütze: Sgt. John Forward (RAF) - Gefangenschaft


Am Abend des 6. Dezember 1944 wurde bei einem Luftangriff auf Gießen die Stadt von Einheiten einer britischen Bomberflotte weitgehend zerstört.
Man hatte sich für diesen Angriff, an dem ca. 250 Flugzeuge beteiligt waren, den Codenamen Hake („Hecht“) ausgedacht.
Die zahlenmäßig unterlegene deutsche Luftwaffe versuchte dagegen zu halten und so konnte Feldwebel Liersch von der 11. Staffel des Nachtjagdgeschwader 6 nach seinen Luftsiegen von 20.17 Uhr und 20.19 Uhr einen dritten Erfolg in dieser Nacht vermelden.
Um 20.20 Uhr schoss er nordwestlich von Gießen einen weiteren Bomber ab, der nicht weit von der Absturzstelle am Dreisberg bei Mornshausen nun am nördlichen Dorfrand von Erdhausen aufschlug.
Die um 16.30 Uhr vom Einsatzhafen East Kirkby in Lincolnshire, England, gestartete Maschine hatte ihre Bombenlast, bestehend aus einer 4000 lb. Luftmine und 1950 4lb. Stabbrandbomben, schon ausgeklinkt und befand sich auf dem Rückflug, als der deutsche Nachtjäger die Maschine zum Absturz brachte.
Das Besondere an diesem Abschuss ist, dass zwei der drei Besatzungsmitglieder, die sich mit dem Fallschirm retten konnten, ermordet wurden und die Täter sich vor einem britischen Kriegsgericht zu verantworten hatten.


Zu diesem Vorfall befinden sich im Nationalarchiv London-Kew diese Akten:

WO 235/395 (liegt vor, 416 Einzelseiten in Auswertung)

WO 235/719 (liegt vor, 124 Einzelseiten in Auswertung).

WO 309/1367 (liegt vor, 125 Einzelseiten in Auswertung)

WO 311/434 (liegt vor, 44 Einzelseiten in Auswertung)

Die beiden erstgenannten Akten wurden vom ICWC (Internationales Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse, Philipps-Universität Marburg, Universitätsstraße 7, 35032 Marburg) in London abfotografiert und zur Verfügung gestellt.

WO 309/914 (Foto von Karl Menge, Akte mit 108 Seiten liegt vor). Akten, die nur das Ereignis betreffen (Titel ohne Namen, Suche mit „Gladenbach“):

TS 26/664 (1939-1945, liegt vor, Beschuldigtenvernehmungen Aug. 45, außer Michel, Obduktion McGladrigan

WO 309/228 (Betrifft Gladenbach 1946/47, Inhalt unbekannt)

WO 309/680 (Betrifft Gladenbach 1946/47, Inhalt unbekannt)

WO 309/681 (Betrifft Gladenbach 1947/48, Inhalt unbekannt)

WO 309/1552 (Betrifft Gladenbach/Weidenhausen 1947, Inhalt unbekannt)




Diese Akten betreffen den „Gnadenakt“ des Beschuldigten Mangold:

FO 371 104143 1661 24 (liegt vor, Haftfähigkeitsprüfung, 1953)

FO 371 104143 1661 28 (liegt nicht vor, Gnadengesuch des Erzbischofs von Köln, 1953)

FO 371 104144 1661 51 (liegt nicht vor, Medizinische Gutachten, 1953)

FO 371 104148 1661 122 (liegt nicht vor, Schriftverkehr mit dem Auswärtigen Amt, 1953)

FO 1060 507 (Inhalt nicht bekannt, 1947 – 1953).

Das britische Luftfahrtministerium in London schreibt am 1. März 1946, dass die von den deutschen Behörden über diesen Vorfall gefertigten Unterlagen sichergestellt und Kopien an diesem Tag versandt wurden an: The Military Deputy, Judge Advocats General, Spring Gardens, Cookspur Street, S.W.1. und R.A.A.F. Overseas H.Q. (WO 235/395, Seite 303 ff.). Ob diese Akten noch vorhanden sind und wo sie sich ggf. befinden könnten ist nicht bekannt.
Aufgrund der bereits ausgewerteten Akten kann sehr detailliert dargestellt werden, was nach dem Abschuss passierte. Allerdings stehen zur Schilderung der Tatabläufe nur die Aussagen derjenigen zur Verfügung, die an den Morden in irgend einer Art und Weise beteiligt waren. Hierbei hat natürlich die Wahrheit nicht immer die erste Priorität, Sachverhalte wurden offensichtlich verdreht oder verleugnet. Von daher können einzelne Fakten nicht eindeutig rekonstruiert werden. Bei der Frage der Schuld und der Verantwortung haben die Täter unübersehbar zu ihren Gunsten kräftig geschönt und für Widersprüche gesorgt. Auf unterschiedliche Darstellungen unwesentlicher Details soll nicht näher eingegangen werden.

06.12.1944
Um 20:20 Uhr erfolgt der Abschuss des Bombers. Drei der sieben Besatzungsmitglieder retten sich mit dem Fallschirm. Der Bordschütze Forward gibt an, nach Scott und McGladrigan ausgestiegen zu sein. Deshalb sollte er noch näher an der Absturzstelle gelandet sein wie diese beiden, festgenommen wird er jedoch irgendwo hinter der Kreisgrenze Richtung Dillenburg. Er kommt zunächst in ein Lager nach Gießen, danach erfolgt seine Vernehmung in Oberursel in der „Deutschen Verhörzentrale für gefangene Luftwaffenangehörige“ (DULAG Luft, Aussage Karl Schmidt) und anschließend der Weitertransport in das Kriegsgefangenenlager Stalag Luft VII in Bankau, Oberschlesien (http://aircrewremembered.com/riddellwilliam.html und https://onenightindecember.wordpress.com/2018/01/21/26-erdhausen/). 

Die mit vier Rolls-Royce Merlin XXIV-Flugmotoren ausgerüstete und in den MetropolitanVickers-Werken hergestellte Lancaster wird beim Aufschlag vollständig zertrümmert. Der Angehörige der Landwacht, Scheld, entdeckt die Leiche eines Soldaten am Flugzeug - gleiches nimmt jedoch auch der Bürgermeister von Weidenhausen, Michel, für sich in Anspruch und sagt darüber hinaus, der Soldat habe sich in seinem Fallschirm befunden und gebrannt. Offensichtlich hat dieser versucht, auch noch mit dem Fallschirm abzuspringen. Michel gibt an, den Absturzort aufgesucht zu haben, weil er den Einschlag beobachtete und der Meinung war, dieser sei in seinem Zuständigkeitsgebiet erfolgt (Verhandlung gegen Michel, pdf-Seite 21). Man durchsucht die Kleidung des Soldaten, findet aber keinen Hinweis zur Identifikation. Persönliche Gegenstände werden gesichert und ins Bürgermeisterbüro gebracht. Das Wrack brennt noch stundenlang, Angehörige der Landwacht halten dort die ganze Nacht über Wache. Die Landwacht und die Bevölkerung werden aufgefordert, nach abgesprungenen Fliegern zu suchen.

07.12.1944
Unter der Regie des örtlich zuständigen Polizisten, dem „Oberwachtmeisters der Gendarmerie der Reserve“ Konrad Mangold werden nach Tagesanbruch aus dem Wrack durch die Landwacht drei weitere Leichen geborgen und alle vier Opfer zwei Tage später auf dem Friedhof in Erdhausen beigesetzt. Gegen 13:00 Uhr erfolgt die Meldung an Mangold, wonach Flight Sergeant John Scott im Wald bei Wommelshausen aufgegriffen wurde und sich dort im Büro des Bürgermeisters befindet (Luftlinie zum Absturzort ca. 5 km). Mangold radelt dorthin, muss den Gefangenen vor aufgebrachten Zivilisten (das sind hauptsächlich Ausgebombte aus Frankfurt) schützen und begibt sich mit ihm in Richtung Weidenhausen. Auf der Straße an einem Waldrand, ca. 1 km vor Weidenhausen, treffen beide auf den zuvor informierten Kreispolizeichef aus Biedenkopf, „Bezirksleutnant der Gendarmerie“ Karl Menge, der mit dem „Meister der Gendarmerie“ Karl Konrad Schmidt mit einem Pkw angefahren kommt. Schmidt ist Leiter des Polizeipostens Gladenbach. Menge macht Mangold sofort Vorwürfe, weil er den Flieger nicht der „Gnade“ der Zivilisten überlassen habe und erinnert ihn an eine Besprechung vom August des gleichen Jahres, in der allen Gendarmen mitgeteilt worden war, dass sogenannte „Terrorflieger“ unmittelbar nach der Gefangennahme zu erschießen seien. In den Polizeibericht solle dann „Tot aufgefunden” eingetragen werden. Mangold verweigert die sofortige Tötung, die er auf Befehl von Menge in dem angrenzenden Waldstück vornehmen soll. Auch Polizeimeister Schmidt spricht sich gegen diese Exekution aus: Es könnten Zivilisten vorbeikommen und das Ganze beobachten, man solle den Gefangenen lieber ins Kriegsgefangenenlager der Luftwaffe in Gießen bringen (WO 235/395, Seite 358 ff.). 

Scott wird nun auf Geheiß von Menge in der Gemeindezelle in Weidenhausen unter Beteiligung des Bürgermeisters Ludwig Michel eingesetzt. Michel erhält von Mangold die Auskunft, dass der Gefangene nach Gießen gebracht werden soll. Gemeinsam bieten sie Scott Lebensmittel an, die jedoch nicht angenommen werden. Unklar ist, ob das von Menge angeordnete Verhör des Gefangenen durch Otto Klingelhöfer, der etwas Englisch spricht, vorgenommen werden soll. Klingelhöfer bringt sich später bei der Gerichtsverhandlung selbst ins Gespräch und gibt an, es sei zusätzlich eine namentlich nicht bekannte Lehrerin aus Frankfurt hinzu gezogen worden. Michel erwähnt in seiner Vernehmung Herrn Klingelhöfer in diesem Zusammenhang nicht. Laut Herrn Klingelhöfer wird Scott gefragt, ob er hungrig sei. Dies wird verneint und entgegen der Aussage von Michel: Er habe schon etwas vom Bürgermeister erhalten. Es ist bekannt, dass die alliierten Flieger vor ihren Einsätzen instruiert wurden, im Falle einer Gefangennahme außer zu den Personalien keine weiteren Angaben zu machen - so lässt sich auch Scott auf kein weiteres Gespräch ein, sagt nur, seine Papiere befänden sich im Flugzeug. In der Weidenhäuser Gaststätte „Assmann” setzt Menge eine Besprechung an, in der er von Mangold wissen will, was die Befragung von Scott ergeben habe. Nachdem Mangold sagt, der Gefangene habe sich in keinster Weise gesprächsbereit gezeigt, wird er von Menge nochmal auf seine „Pflicht” hingewiesen, Scott zu erschießen. Sollte Mangold dieser Anordnung nicht nachkommen, würde er vor ein SS-Gericht gestellt und nicht nur er hätte mit den schlimmsten Konsequenzen zu rechnen, auch seine Familie (WO 235/395, Seite 326). Das Gasthaus, das damals wegen des überwiegenden Publikums als „braunes Gasthaus“ bezeichnet wurde, ist heute unter dem Namen „Zur Petersburg“ bekannt, in dem sich heute ein Chinarestaurant befindet.

In der Zelle eingesperrt macht Scott etwa zur gleichen Zeit, gegen 18:00 Uhr, durch lautes Rufen und heftiges Klopfen auf sich aufmerksam. Das wird von vielen Weidenhäusern wahrgenommen, die im Backhaus, das ist ein Raum direkt neben der Zelle, Brot und Kuchen backen. Michel wird informiert und begibt sich mit dem Ortsdiener Heinrich Thomas  zur Zelle. Zuvor bittet er die Leute, die sich vor oder in der Backstube aufhalten, das Gebäude zu verlassen und schließt die Eingangstür, die zur Hauptstraße führt. Was dann passiert, wird von der Zeugin Maria Wege zunächst so beschrieben: Die Haupteingangstür sei nicht ganz geschlossen gewesen und man habe von außen verfolgen können, wie Michel die Zelle aufschließt, zu dem Gefangenen sagt: „Was willst Du – komm her, Freundchen“ und unmittelbar mit einem Stock auf Scott einschlägt, bis dieser sich winselnd und heulend auf dem Boden krümmt. In der Gerichtsverhandlung (siehe 28.-30.05.1947) bestreitet Michel dies. Thomas bestätigt jedoch, dass Michel dem Gefangenen vier oder fünf Stockhiebe verpasste, zuvor habe es den Versuch eines Gespräches gegeben, der an der Sprache scheiterte. Aufgrund der örtlichen Gegebenheit (siehe o.a. Skizze) dürfte Frau Wege das Geschehen nicht direkt sehen können, gibt aber an, Michel habe sofort auf den Gefangenen eingeschlagen. Später, in einem Verfahren der Staatsanwaltschaft Marburg im Jahre 1951, ändert Frau Wege ihre Aussage ab und sagt, von der Körperverletzung nur gehört zu haben (Az. 7 Js 171/51, WO 235/395, Seiten 3+4). Somit verbleibt als einziger Augenzeuge der Körperverletzung der Ortsdiener Thomas und es ist kein Anlass erkennbar, warum er eine solche erfinden sollte. Ältere Einwohner erinnern sich heute noch an Gespräche im Dorf, wonach Michel den Gefangenen „halb tot“ geschlagen habe. Mangold begibt sich nach dem Gespräch mit Menge in einer eher gedrückten Stimmung zum Bürgermeister. Michel fragt ihn, warum er nicht früher zurück gekommen sei, der Zug nach Gießen sei bereits abgefahren und was jetzt mit dem Gefangenen geschehen soll. Mangold habe ihm nun Menges Befehl eröffnet, wonach der Flieger zu erschießen sei. Hierzu steht im Widerspruch, dass Michel bereits vor der Rückkehr von Mangold dem Ortsdiener von der geplanten Erschießung erzählt hat (WO 309/914, Seite 9). Jedenfalls bestimmte Menge Michel aufgrund dessen Eigenschaft als Bürgermeister dazu, für ein Grab zu sorgen. Es scheint einige Diskussionen zu gegeben, aber am Ende beauftragt Michel seinen Ortsdiener Thomas nachzuschauen, ob ein bestimmtes Erdloch (ein Graben) außerhalb des Dorfes in der Nähe des Friedhofs noch existiert und dieses sich zum Grab eignet. 

Nach der Rückkehr von Thomas holen Michel und Mangold gegen 19:30 Uhr den Gefangenen aus der Zelle, nehmen ihn in ihre Mitte und bringen ihn zu dem in ca. 700 m entfernt liegenden Erdloch - Thomas geht mit einer Schaufel (oder einem Spaten) voraus. Unmittelbar nach der Ankunft dort, jedoch in einem gewissen Abstand zum Grab, versetzt Mangold dem an den Händen gefesselten und mit dem Rücken zu ihm stehenden Scott einen tödlichen Schuss in den Nacken. Man dreht die Leiche auf den Rücken, kontrolliert den Herzschlag und drückt ihr die Augen zu. Michel und Thomas erweitern dann das Erdloch zu einem Grab und die Leiche wird darin bestattet. Bei dem Tatort handelte es sich um eine Talsenke, die in dieser Form nicht mehr besteht. Nach dem Krieg wurde diese als Müllhalde benutzt, aufgefüllt und später wieder aufgeforstet. Michel und Mangold erscheinen sehr spät in dieser Nacht im Gasthaus und lassen sich gutes Essen und Schnaps servieren. Die Wirtin erinnert sich daran, dass sie eine „Henkersmahlzeit“ bestellt haben. Die Frage, woher sie so spät abends noch kommen, wird nicht beantwortet (WO 309/914, Seite 8, nicht protokollierte Aussage vom Bürgermeister Scheld).

Der dritte mit dem Fallschirm abgesprungene Flieger, Flight Sergeant Neil Francis Dellaway McGladrigan, wird am gleichen Tag abends bei Mornshausen/D. aufgegriffen (Luftlinie zum Absturzort und zur Landestelle von Scott jeweils ca. 8,5 km). Der örtlich zuständige „Oberwachtmeister der Gendarmerie der Reserve“ Otto Koch wird gegen 22:00 Uhr von Wilhelm Jakobi telefonisch hierüber informiert, begibt sich sofort dort hin und schreibt später in seinen Tätigkeitsbericht: „Der englische Flieger MEKGLADIGAN festgenommen von Christian Schmidt und Landwachtmann Jakob Schmidt, Amelose, und in polizeiliche Untersuchungshaft genommen, Mornshausen/a.D.“ In der Wohnung des Jakob Schmidt trifft Koch den Gefangenen an und verbringt ihn zusammen mit Wilhelm Jakobi und Jakob Schmidt ins Bürgermeisteramt Mornshausen. Bei der körperlichen Durchsuchung des Gefangenen bemerkt Koch an dessen Oberschenkel eine leichte Wunde und versorgt diese - der Gefangene hatte sich bereits selbst einen Flaksplitter heraus gezogen. Nun heizt Koch den Raum ein und sorgt dafür, dass der Gefangene seine durchnässte Kleidung trocknen kann. Die Ehefrau des Bürgermeisters Andreas Weigel versorgt ihn mit Lebensmitteln, Weigel selbst schafft Decken herbei, richtet ihm eine Schlafgelegenheit ein und Koch bewacht ihn die ganze Nacht.

08.12.1944
Koch will am Vormittag den Kreispolizeichef Menge über die Festnahme telefonisch informieren, kann jedoch als nächsten Vorgesetzten nur den Polizeimeister Andreas Ebling erreichen. Ebling ordnet an, McGladrigan, der an diesem Tag 22 Jahre alt wird, ins Polizeigefängnis der Stadt Biedenkopf zu bringen. In Biedenkopf angekommen rügt Menge Koch schwer, brüllt ihn regelrecht zusammen, weil er den Gefangenen nicht sofort tötete. Den Befehl zur Tötung verweigert Koch beharrlich mit dem Hinweis, dass er selbst 4 Söhne im Kriegsdienst habe und nicht möchte, dass mit ihnen im Falle einer Gefangennahme ähnlich verfahren werde. Den ganzen Tag über findet unter der Leitung und Mitwirkung von Menge im Bereich „Amelose“ bis spät in die Nacht eine umfangreiche Suchaktion statt, man vermutet noch mehr abgesprungene Flieger. Zum Ende der Suche, kurz vor Mitternacht, beauftragt Menge seinen Untergebenen Koch, den in Biedenkopf einsitzenden Gefangenen am nächsten Tag mit der Bahn in ein Kriegsgefangenenlager bei Wetzlar bringen. Diese Anordnung enthält einen Widerspruch: Dem Polizeichef Menge wird stets unterstellt, dass er auf der Ausführung des geheimen Befehls bestanden habe, wonach gefangen genommene alliierte Flieger zu erschießen sind. Hierzu passt seine Anordnung keineswegs, den Gefangenen in einem Lager abzugeben. 

09.12.1944
Am frühen Morgen dieses Samstags entscheidet nun der nachfolgende Umstand über Leben und Tod von McGladrigan: Koch hat die Information, dass der Zug um 05:20 Uhr abfahren soll. Er will den Gefangenen abholen, der zuständige Beamte des Gefängnisses ist jedoch hierüber nicht informiert und es kommt zu einer erheblichen Zeitverzögerung. Als Koch mit dem Gefangenen dennoch vor der planmäßigen Abfahrtszeit den Bahnhof erreicht, fährt der Zug gerade weg und nicht erst um 05:20 Uhr.
Koch bringt McGladrigan wieder ins Polizeigefängnis in Biedenkopf (WO 235/395, S. 363 ff.). Offen bleibt, ob an diesem Tag noch andere Züge fuhren und warum davon ggf. kein Gebrauch gemacht wurde. Am 15.02.1947 gibt Koch entgegen seiner ersten Aussage an, es sei überhaupt kein Zug gefahren (WO 235/395, S. 380 ff.). Während des 2. Weltkrieges war die mittlerweile verstorbene Ruth Fackert Angestellte im Landratsamt Biedenkopf. Ihrem Neffen Michael Fackert erzählte sie von einem englischen Flieger, der dort für 1 oder 2 Tage unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht war. In einer Art Garage/Raum (vom Hof zugänglich und mit Gittern versehen) wäre der dort wie ein Hund angekettet gewesen, offensichtlich auch nicht mit Essen und Wasser versorgt worden. Aus Mitleid habe man ihm heimlich Brot und Wasser gegeben. Es ist nicht sicher, ob es sich hierbei um McGladrigan handelte, jedoch ist keine Unterbringung eines anderen englischen Fliegers in dieser Zeit und an dieser Stelle bekannt.
Gegen 15:00 Uhr versucht Menge den für Gladenbach verantwortlichen Polizeimeister Schmidt anzurufen und weil er diesen nicht erreicht spricht er mit Mangold, der an Schmidt folgendes weitergeben soll (WO 235/395, Seite 327): Der Landrat (!) habe angeordnet, der Gefangene sei zu erschießen. Schmidt soll jemanden benennen, der für ein Grab sorgt und Mangold bei der Exekution hilft. Mangold fragt, warum er auch diesen Gefangenen töten soll, obwohl dieser nicht in seinem Zuständigkeitsgebiet aufgegriffen wurde. Menge antwortet, der Gefangene sei in dem Distrikt zu erschießen, in dem das Flugzeug abgestürzte. Es darf jedoch darüber spekuliert werden, ob diese Anordnung von Menge nicht doch mehr damit zu tun hat, dass seine Absicht, den Gefangenen erschießen zu lassen, problemloser mit dem Personal in Erdhausen umzusetzen war, als mit dem in Biedenkopf - Koch weigerte sich ja standhaft, die Exekution vorzunehmen.

10.12.1944
Koch befindet sich auf der Dienststelle in Biedenkopf - er hat Telefondienst. Gegen 10:00 Uhr erscheint Menge, der ihm befiehlt, den Gefangenen an diesem Tag im Schutze der Dunkelheit an der Reviergrenze bei Runzhausen an Mangold zu übergeben. Koch geht, warum auch immer, davon aus, es erfolge ein Weitertransport nach Wetzlar zusammen mit einem weiteren Gefangenen. Auf eine entsprechende Nachfrage antwortet Menge, der Transport solle nachts erfolgen, um möglichen Übergriffen von aufgebrachten Zivilisten vorzubeugen. Drei Tage vorher hatte Menge Mangold noch erhebliche Vorwürfe deshalb gemacht, weil dieser den Gefangenen Scott nicht der „Gnade“ der Leute in Wommelshausen überlassen hat. Weil Mangold den Polizeimeister Schmidt am Samstag nicht mehr erreichen konnte, sucht er ihn an diesem Sonntag vormittags zu Hause auf und gibt Menges Anordnung weiter.
Schmidt bestimmt den Angehörigen der Landwacht Ludwig Will, ein Grab auszuheben und bei der Hinrichtung mitzuhelfen. Mangold begibt sich zur Wohnung von Will und übermittelt ihm diese Anordnung. Dieser ist – so Mangold – sofort mit allem einverstanden. Will soll das Grab irgendwo versteckt herrichten und nicht wie von ihm angedacht, auf dem Friedhof. So wählt er eine Stelle im Wald in der Nähe des verabredeten Treffpunkts aus und bereitet am Nachmittag das Grab vor. Schmidt wird später zugeben, den Befehl, wonach alle „Terrorflieger“ zu erschießen sind, so weitergegeben zu haben, wie es von Menge verlangt wurde (WO 235/395, Seite 353). Gegen 17 Uhr holt Koch den Gefangenen im Gefängnis ab und weil dieser aufgrund seiner Verletzung nicht gut laufen kann, transportiert er ihn, wo immer das möglich ist, auf dem Gepäckträger seines Fahrrades. Auf dem Weg in Richtung Gladenbach, der sich über ca. 18 - 19 km erstreckt, macht Koch eine Zwischenstation bei sich zu Hause in Eckelshausen - beide essen und trinken an einem Tisch. Zwischen 21:30 und 22:00 Uhr treffen beide auf Mangold und Will.
Das Zusammentreffen schildert Mangold so: Er hatte sich für 20:00 Uhr mit Will verabredet und war ziemlich überrascht, weil sich dieser mit Pistole und Gewehr bewaffnet hatte, ohne dass er entsprechend angewiesen worden war. Mangold veranlasst ihn, das Gewehr zu Hause zu lassen. Man läuft dann an der verabredeten Stelle wegen der Kälte eine Stunde hin und her, bis Koch mit dem Gefangenen eintrifft. Hierbei schiebt der Gefangene das Rad und wird von Koch an einer langen Leine geführt. Erst bei diesem Zusammentreffen will Koch davon erfahren haben, was mit McGladrigan tatsächlich geschehen soll.
Die Aussage von Will hierzu lässt jedoch einen anderen Schluss zu: Mangold fragt Koch, warum man die „Sache“ nicht in dessen Dienstbezirk erledigt habe, worauf Koch antwortet: „Hätte ich den Befehl bekommen, hätte ich das getan“ und fragt direkt, wo sich das Grab befindet. Hinter Kochs Aussage dürfte ein „Deal“ zwischen ihm und Menge stecken: Menge war es wohl egal, wer den Flieger erschießt und wenn Mangold diesen dreckigen „Job“ übernahm, war Koch "draußen" - hatte also seine Ruhe. Es wäre von Koch unklug gewesen, Mangold diesbezüglich reinen Wein einzuschenken. 
Man läuft insgesamt noch ca. 1 km – zunächst auf der Straße in Richtung Gladenbach, biegt nach links in einen Feldweg ab und erreicht den Wald in der Gemarkung Mittelscheid. Kochs Fahrrad bleibt am Waldrand zurück. Mangold lässt sich von Will das Grab zeigen, Koch bleibt zunächst mit dem Gefangenen ein Stück zurück, bevor er mit diesem den beiden anderen in den Wald folgt. Es ist stockdunkel und eisig kalt. Koch orientiert sich an der Fackel, die Will mitführt. In der Nähe des Grabes entfernt Koch die Handschellen, mit denen er bis dahin den Gefangenen gefesselt hatte. Mangold übernimmt den Gefangenen, bindet ihn mit der Schnur, an der ihn Koch geführt hatte, die Hände am Rücken zusammen und befestigt die Schnur an einen Baum. Während Will die Szene beleuchtet, zieht Mangold seine Pistole (Kal. 0.8) und schießt dem Gefangenen seitlich in den Kopf. Danach erfolgt ein zweiter (ggf. auch noch ein dritter) Schuss, über dessen nähere Umstände unterschiedliche Versionen vorliegen: Zunächst sagt Mangold aus, sein Schuss sei nicht tödlich gewesen und weil seine Waffe eine Ladehemmung hatte, habe auch Will einen Schuss abgegeben (TS 26/664 + WO 235/395 Seite 317). Bei der nächsten Vernehmung durch die Amerikaner (WO 235/395, Seite 327) sagt Mangold, während er sich mit seiner Pistole beschäftigte sei ein weiterer Schuss gefallen, von dem er nicht wisse, ob dieser von Koch oder Will abgegeben wurde. Erst nach dem 2. Schuss habe man den Tod des Gefangenen festgestellt und danach hätten Koch und Will die Leiche ins Grab gelegt. Beim Verfüllen des Grabes habe sich Will eingebildet, dass der Flieger noch nicht tot sei und deshalb einen weiteren Schuss abgegeben, bevor man das Grab verfüllte. Koch bestreitet entschieden, geschossen zu haben und spricht zunächst auch von drei Schüssen (WO 235/395, Seite 368), legt sich später aber auf nur zwei Schüsse fest (WO 235/395, Seite 381). Will gibt bei seiner ersten Stellungnahme an, einen gezielten Schuss auf den Gefangenen abgegeben zu haben, bevor man die Leiche ins Grab legte. Mangolds Schuss sei nicht tödlich gewesen, dieser habe aber keinen weiteren Schuss abgeben können, weil seine Waffe versagte. Will präzisiert diese Aussage dahingehend, dass Mangold noch zweimal abdrückte, es sich aber kein Schuss löste. Deshalb habe Will seine Pistole (Kal. 7,5) gezogen und dem Gefangenen aus einer Entfernung von ca. 1,5 m in die Schläfe geschossen. Diese Passage hat Will in seinem handschriftlichen Protokoll durchgestrichen und gelangte nicht in die Leseabschrift: „Ich habe mich (nach dem Schuss) umgedreht und weiß nicht, wie viel Koch abgegeben hat. Zu der Zeit, als wir geschossen haben, standen Mangold, Koch und ich nur ungefähr 2 Meter abseits von dem Flieger.“ (WO 235/395, Seite 338 ff.). 

Bei der zweiten Vernehmung, die durch die Briten vorgenommen wird, und bei der Gerichtsverhandlung geben beide dagegen an, Mangolds Schuss sei bereits tödlich gewesen und man habe das Opfer ins Grab gelegt. Will sei dann in Panik geraten, weil er beim Schließen des Grabes darin in der Dunkelheit eine Bewegung wahrgenommen habe und deshalb einen Schuss in Richtung des Grabes abgegeben. Will behauptet jetzt, Mangolds Waffe habe bereits vor dem ersten Schuss eine Ladehemmung gehabt, diese behoben und dann erst den Gefangenen erschossen (WO 235/395, Seite 344 ff.). Koch legt sich fest, dass auf den im Grab liegenden Körper nicht geschossen wurde (WO 235/395, Seite 381), was den ersten Aussagen von Mangold und Will entspricht. Es liegt der Verdacht nahe, Will's Tatbeteiligung soll im Nachhinein im Hinblick auf das zu erwartende Strafmaß herunter gespielt werden, denn einen Toten kann man nicht ermorden und Mangold's Lage war ohnehin nicht zu verbessern. Später werden durch den Pathologen, Leutnant Joseph C. Sherrick, bei der Obduktion zwei Einschüsse dokumentiert - einen in die Schläfe und einen ins Jochbein. Diese Fakten sprechen für die erste Version, wonach der tödliche Schuss von Will abgegeben wurde. Auch erinnert sich Koch daran, dass beim Verfüllen des Grabes ein Gespräch zwischen Mangold und Will in diesem Sinne verlief. Will warf Mangold vor, den Gefangenen schlecht getroffen zu haben und Mangold antwortete sinngemäß, beim ersten Flieger habe er das besser gemacht, der sei nach dem ersten Schuss sofort tot gewesen. Auf diese Art und Weise will Koch erstmals davon gehört haben, dass es bereits einen weiteren Mord gab (WO 235/395, Seite 381). Ansonsten sind Koch's Aussagen zu den näheren Umständen der Erschießung nicht hilfreich. Er habe sich erschüttert abgewandt, somit die entscheidenden Einzelheiten nicht mitbekommen und nur deshalb mitgeholfen das Grab zu schließen, weil er wegen der großen Kälte fürchterlich fror und sich bewegen wollte. Offen bleibt, warum Koch tatsächlich mit in den Wald ging und der Erschießung beiwohnte. Sein Auftrag wäre eigentlich mit der Übergabe des Gefangenen an Mangold an dem Treffpunkt auf der Straße beendet gewesen. Als Koch am nächsten Tag Menge darüber informiert, dass Mangold den Gefangenen erschossen hat, bemerkt Menge nur vorwurfsvoll: „ … und Sie sind drei Tage mit dem herum gezogen ...“ Menge sucht Mangold einige Tage später in dessen Wohnung auf und bemängelte die Berichte über die beiden Erschießungen. Mangold muss, so seine Aussage, die alten Berichte verwerfen und in die neuen hinein schreiben, dass man die beiden Flieger tot aufgefunden habe (WO 235/395, Seite 328). Eigentlich wusste Mangold vorher ganz genau, was er in seine Berichte zu schreiben hatte und es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass er in seinen ursprünglichen Berichten den wahren Ablauf der Erschießungen beschrieb und sich selbst des Mordes bezichtigte. Bei diesem Treffen übergibt Mangold die Wertsachen des McGladrigan an Menge.
Ob hierbei auch die Pelzstiefel, die Pelzjacke und weitere Kleidungsgegenstände mit übergeben wurden ist nicht bekannt, diese Sachen hatte Will nach der Erschießung an sich genommen.

Der Tatort – gleichzeitig Ort des Grabes – wird von dem amerikanischen Pathologen, der die Obduktion vornahm, so beschrieben: Karte CSGS 4416, AMS M641, Sheet number R 3, Coordinates G600435 (WO 235/395, Seite 310). Auf einer Karte der Gerichtsunterlagen befindet sich an dieser Stelle eine unscheinbare und nicht erläuterte Markierung, die in etwa den Koordinaten „600“ und „435“ entspricht. Als der amerikanische Untersuchungsoffizier Ralph P. Needle am 21.08.1945 das Standesamt Gladenbach anweist, den Tod zu bescheinigen, gibt er als Leichenfundort „Mittelscheid“ an, was ebenfalls zu den Koordinaten passt. Will sagt, das Grab befand sich ca. 8 m im Wald bei vier Fichten. (GPS: 50° 47' 8.434" N 8° 35' 11.062" E) 

19.01.1945
Wegen des Vormarsches der Roten Armee erfolgt die Evakuierung des Stalag Luft VII in Bankau, Polen. Der einzige Überlebende des abgeschossenen Bombers, Forward, wird zusammen mit weiteren ca. 1.500 Häftlingen unter schwersten Bedingungen (Fußmarsch im Schneesturm, unzureichende Versorgung, teilweise in Viehwaggons) und erheblichen Verlusten an Menschenleben ins Stalag III-A in Luckenwalde, südlich von Berlin, gebracht. (https://www.arnhem1944themissingones.com/the-long-march-1945-arnhem-pows/)

Februar 1945
Mangold ist nach eigenen Angaben nach Dänemark abgeordnet. Angeblich soll er an einer Schulung teilnehmen, empfindet die Abordnung jedoch als eine Art Bestrafung ohne zu wissen wofür. Welchen Sinn sollte es angesichts der anrückenden alliierten Streitkräfte machen, in dieser Situation, in der jede Kraft zu Hause gebraucht wird, Leute ins Ausland „auf Lehrgang“ zu schicken? Da ist eher daran zu denken, dass Mangold freiwillig die Gegend verlassen hat, in der er zwei Morde beging, bevor die Besatzungskräfte seinen Dienstbezirk erreichten. Er gibt an, in Dänemark in britische Kriegsgefangenschaft geraten zu sein - wann und warum er nach Hause entlassen wird, ist nicht bekannt.

22.04.1945
Die Insassen des Lagers Stalag III-A in Luckenwalde werden von der Roten Armee befreit und das Lager im Mai 1945 aufgelöst. Forward überlebt den Krieg als Verwunderter, sein weiterer Verbleib ist jedoch unbekannt.

Sommer 1945
Im Rahmen von Ermittlungen durch Major John M. Flatten und 1. Leutnant Ralph P. Needle, Mitglieder einer Untersuchungskommission der amerikanischen Besatzungskräfte, werden die Täter verhaftet und die beiden Leichen exhumiert. Diese Vorgänge können zur Zeit nicht chronologisch dargestellt werden, weil hierüber keine Unterlagen zur Verfügung stehen. Somit kann nur darüber spekuliert werden, wie die Amerikaner an die entsprechenden Informationen gekommen sein könnten: Zunächst ist davon auszugehen, dass gezielt nach Scott und McGladrigan gesucht wird, denn Forward berichtet nach dem Kriegsende, dass die beiden vor ihm aus dem angeschossenen Flugzeug absprangen und als verschollen gelten (WO 235/395, Seite 208, P. 6.). Dann dürfte die bereits erwähnte Maria Wege eine gewisse Rolle spielen.
Sie wird von der amerikanischen Untersuchungskommission befragt und macht ganz sicher bezüglich des Gefangenen Scott detaillierte Angaben. In einem Bericht der Briten über die Ermittlungen durch die Amerikaner werden ausschließlich Maria Wege und Bürgermeister Scheld als Zeugen genannt (WO 309/914, Seite 53). Offen ist, ob Frau Wege von den Amerikanern angesprochen oder ob sie selbst initiativ wird und wann genau dies geschieht. Sie lebt nämlich mit Michel seit dessen Übernahme des Bürgermeisteramtes 1936 im Streit und hätte von daher ein Motiv. Einerseits sagt sie, sie habe sich freiwillig als Zeugin zur Verfügung gestellt, andererseits gibt sie an, sie und ihre Freundin Lisa Becker seien irgendwann von einer amerikanischen Dolmetscherin aufgesucht worden und bei der Befragung in Biedenkopf habe sie die "Wahrheit" gesagt (WO 235/395, Seite 126). Es ist nicht auszuschließen, dass Maria Wege den ersten Schritt machte, zumal Michel nach dem bisherigen Erkenntnisstand als erste Person aus dem Täterkreis festgenommen wird, obwohl er nicht der Haupttäter ist. Im Dorf soll Frau Wege nach dem Krieg erzählt haben, dass sie und ihre Mutter beobachtet hätten, wie der offensichtlich schwer verletzte Soldat von Mangold und Michel in den Wald geführt wurde. Man sei den Männern gefolgt und habe später die Amerikaner hierüber informiert und denen das Grab zeigen können. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage muss stark angezweifelt werden, denn hierzu gibt es keine Entsprechung in den Akten. Bei ihrer Vernehmung im Rahmen der Gerichtsverhandlung hat Frau Wege kein Wort hierüber verloren. Auch passt hierzu nicht, dass erst nach mehr als 4 Wochen nach der Festnahme von Michel die Leiche entdeckt wurde. Wäre Michel aufgrund der Anzeige von Frau Wege inhaftiert worden, hätte dies sicher auch zeitnah zur Verhaftung von Mangold und dem Auffinden der Leiche geführt.
Allerdings ergibt sich aus dieser Aussage von Frau Wege ein weiteres Indiz dafür, dass sie die Sache ins Rollen brachte; jedoch nur die Körperverletzung durch Michel. Diese war ein großes Thema im Dorf und allgemein bekannt – was mit dem Soldaten im Wald geschah, eher nicht, das wurde erst später publik.
In einem Ermittlungsprotokoll (WO235/395, Seite 208, P. ist festgehalten, dass erst im Zusammenhang mit dem Auffinden der Leiche von McGladrigan auch der Mord an Scott bekannt wurde.
Jetzt übernimmt eine britische Untersuchungskommission von den Amerikanern die weiteren Ermittlungen in beiden Fällen. Nachdem bereits Tat und Täter bekannt sind, stellt ein Abschnittsleiter der RAF, Sgd. H. White, (Squadron Leader Commanding, 14 M.R.S., R.A.F., A.P.O. 171) im November 1946 in Weidenhausen Ermittlungen an und sucht hierbei gezielt Maria Wege auf.
Aus dem Inhalt seines Protokolls geht hervor, dass Philipp Scheld beim Auffinden der Leichen eine Rolle spielte (WO 235/395, Seite 306 ff.).

06.07.1945
Ludwig Michel, wird nach Angaben seines Sohnes Heinrich Michel zu Hause "abgeholt" und ins Gefängnis in Biedenkopf gebracht (WO 235/395, Seite 163 ff.). Es ergeben sich aus den vorliegenden Akten keine anderen möglichen Haftgründe, als die Geschehnisse um den Kriegsgefangenen Scott. Offensichtlich macht Michel zunächst keine Angaben zur Sache, denn das Auffinden der Leichen erfolgt erst 5 Wochen später, nachdem auch die anderen Täter festgenommen sind. Ein zeitnahes Vernehmungsprotokoll von Michel liegt nicht vor.

12.07.1945
Wahrscheinlicher Tag der Festnahme von Konrad Mangold. Rechtsanwalt Ley führt aus, Mangold sei zwei Tage vor dem Selbstmord von Kreitz inhaftiert worden (WO 235/395, Seite 295).

14.07.1945
Der Hauptmann der Gendarmerie Heinrich Friedrich Kreitz, *26.10.1890 in Hardegsen/Ellierode, erhängt sich im Gefängnis in Marburg. Laut Eintrag auf der Sterbeurkunde wohnte er zuletzt in Diez/Lahn. Eine konkrete Mitwirkung durch ihn bei der Tötung der Gefangenen ist nicht dokumentiert – bei der späteren Gerichtsverhandlung wird er lediglich in allgemeiner Form als Befehlsgeber genannt.

09.08.1945
Otto Koch verfasst ein handschriftliches Protokoll, in dem er über die Ermordung des McGladrigan berichtet und die Täter nennt (WO 235/395, Seite 363 ff.). Da diese Niederschrift in Marburg erstellt wird ist davon auszugehen, dass Koch zu diesem Zeitpunkt inhaftiert ist.

13.08.1945
Mangold wird in Untersuchungshaft genommen (WO 235/395, Seite 389). Zu dieser Festlegung auf dem Beweismittel „Exhibit 21 a“ besteht ein Widerspruch zur Aussage von Mangold: Kreitz habe sich während Mangold's Haft in der Nachbarzelle erhängt – somit müsste Mangold bereits am 14.07.1945 eingesessen haben. Dieser Widerspruch ist momentan nicht aufzulösen.

14.08.1945

Will (WO 235/395, Seiten 333 ff.) und Mangold (TS 26/664) machen in Marburg bei Needle eine kurze Aussage bezüglich der Erschießung von McGladrigan. Der Mord an Scott ist hierbei noch kein Thema. 

15.08.1945

Will und Schmidt werden inhaftiert (WO 235/395, Seiten 390+391). Schmidt macht in Marburg bei Needle handschriftlich eine erste und eine zweite Aussage (WO 235/395, Seite 347 ff.)

18.08.1945
Mangold und Will führen drei amerikanische Offiziere in den Wald, zeigen ihnen das Grab von McGladrigan und graben die Leiche aus. Der amerikanische Pathologe, Leutnant Joseph C. Sherrick, nimmt die Obduktion vor. Hierbei stellt er auf der Unterhose des Getöteten eine Personalnummer fest, anhand derer später McGladrigan identifiziert wird (WO 235/395, Seite 310 ff.). Es liegt kein Protokoll über die Obduktion von Scott vor, dessen Leiche am gleichen Tag geborgen wird. Eine Festlegung dieses Datums erfolgt dadurch, weil an diesem Tag anlässlich der Exhumierung der Leiche von Scott der neue Bürgermeister Philipp Scheld von Weidenhausen diese Rede an ehemalige Parteimitglieder hält:
„Dieser Körper ist ein Stigma für das Ansehen der Deutschen in der ganzen Welt. Die Verantwortlichen hierfür stehen jetzt vor uns. Das bedeutet, dass wir nicht nur wissen, wer wirklich für die Begehung der Verbrechen verantwortlich ist, sondern auch die wahren Urheber dieser Verbrechen, die für die Ursache des Verbrechens verantwortlich gemacht werden müssen. Dies sind Euer geliebter Führer und vor allem alle Propagandisten wie Goebbels und Hans Fritzsche. Viele von Ihnen wissen, dass Himmler seine Befehle verbal gegeben hat. Für den Fall, dass einige von Ihnen mir jetzt sagen, dass sie nur gemäß den Anweisungen gehandelt haben, die sie erhalten haben, sage ich Ihnen, das ist eine Ordnung, die gegen meine Gefühle und meine Ehre verstößt. Als anständiges und zivilisiertes Wesen kann ich keinesfalls einer Anordnung zustimmen, die ein Verbrechen verlangt. In diesem Fall - leider gibt es hier jetzt schon zwei Fälle - wird nicht nur der Täter mit Schrecken und Entrüstung betrachtet, sondern die ganze Nation kann durch die Handlung dieser beiden verurteilt werden. Was glaubt Ihr, was wäre das für eine Leitlinie, wenn überall auf der Welt solche Methoden die Prinzipien der Kriegsführung wären? Als die Luftwaffe 1940/41 Angriffe über England geflogen hatte, wurden Mütter und Bräute darüber informiert, dass ihre Söhne und Geliebten nicht zurückkehren könnten. Aber das bedeutete noch nicht, dass der Flieger tot war und sie alle wünschten und hofften, er hätte es geschafft, könnte sicher sein, ebenso gut behandelt zu werden wie Kriegsgefangene. Warum haben sie sich so gefühlt? Weil jeder erwartete, dass Kriegsgefangene anständig behandelt werden. Warum sollten die Bräute und Mütter englischer Flieger weniger ein Recht darauf haben, auf die sichere Rückkehr ihrer Männer zu hoffen?“
(Vollständiger Text: WO 309/914, Seite 18).
Scheld war vor der NS-Zeit schon Bürgermeister, jedoch 1933 von der SS abgesetzt und in Schutzhaft genommen worden. Dennoch kandidierte er später auf der Liste der SPD wieder für dieses Amt und wurde auch gewählt. Während dieser Dienstzeit erhielt er eine schriftliche Morddrohung und 1936 ersetzten ihn die Nationalsozialisten durch Ludwig Michel. Laut einem Schreiben der Amerikanischen Militärregierung, Sitz in Biedenkopf, war Bürgermeister Philipp Scheld mit Wirkung zum 01.10.1945 seines Amtes enthoben worden, nachdem er nach dem Krieg anscheinend provisorisch eingesetzt worden war. Wann und unter welchen Umständen er wieder in dieses Amt kam, ist nicht bekannt. Er erhielt 1965 als Bürgermeister das Verdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland (Staatsanzeiger Hessen Nr. 6, 1965).

20.08.1945
Die beiden Leichen werden auf Anordnung der Amerikaner auf dem Friedhof in Gladenbach beigesetzt. Das Standesamt Gladenbach wird von Needle schriftlich aufgefordert, den Tod zu beurkunden und dieses stellt ein entsprechendes Dokument aus. Zu diesem Zeitpunkt sind die Identitäten der Soldaten offiziell noch nicht bekannt. Otto Koch wird in Marburg von der Untersuchungskommission der amerikanischen Streitkräfte (Major John M. Flatten und 1. Leutnant Ralph P. Needle) vernommen (WO 235/395, Seite 363 ff.). Karl Schmidt wird ab 16:00 Uhr in Marburg von Flatten und Needle verhört (WO 235/395, Seite 352).

21. + 25.08.1945
Will sagt in Marburg ausführlich aus (WO 235/395, Seiten 343 ff.).

06.11.1945 – 07.02.1946
Maria Wege befindet sich in Biedenkopf wegen unerlaubtem Waffenbesitz in Haft. Sie sagt, man habe ihr die Waffen aus Rache untergeschoben, weil sie gegen Michel aussagte (Protokoll Michel, pdf-Seite 11).

07.05.1946
Mangold, Schmidt, Will und Koch sitzen in Marburg ein (WO 235/395, Seite 196).

09.10.1946
Schmidt sitzt in Dachau ein und sagt bei einer französischen Kommission über die Erschießungen aus (WO 309/914, Seite 92).

09.11.1946
Mangold und Michel befinden sich im "Civil Internment Camp No. 5 der britischen Streitkräfte" bei Paderborn, Lager Staumühle (Untersuchungsbericht Air Ministery London).
1948 wird das Lager aufgelöst.

14.01.1947
Die Auslieferung von Schmidt und Will von Dachau nach Paderborn wird in Kürze erwartet (WO 309/914, Seite 28).

17.01.1947
Michel wird von Captain H.A. Brunner (The Essex Regiment Nr. 5), in Paderborn verhört (WO 235/395, Seite 262 ff.). Brunner: „Typischer gescheiterter Nazi-Gangster. Großer Held gegen Untergebene, demütig gegenüber seinen Vorgesetzten. Er tut sich sehr leid.“ (WO 309/914, Seite 9).

14.02.1947
Mangold wird von Captain H.A. Brunner (The Essex Regiment Nr. 5), in Paderborn verhört (WO 235/395, Seite 326 ff.). Brunner: „Er diktierte tatsächlich seine Aussage und es waren kaum Fragen oder Unterbrechungen nötig. Seine Gesprächsbereitschaft war verwirrend.“(WO 309/914, Seite 9). Will wird am gleichen Tag von Brunner verhört (WO 235/395, Seite 342 ff.) und von diesem wie folgt charakterisiert: „Definitiv ein krummer Typ. Der Ermittler brauchte ungefähr 5 Stunden, um ein Geständnis von ihm zu bekommen. Zunächst versicherte er dem Ermittler, dass er überhaupt keinen Schuss abgegeben habe. Nach 2 Stunden stimmte er zu, dass er einen Schuss abgefeuert hatte; aber den hätte er über das Grab des ermordeten Fliegers geschossen, um dem toten Feind zu huldigen.“

15.02.1947
Koch wird von Captain H.A. Brunner (The Essex Regiment Nr. 5), in Paderborn verhört (WO 235/395, Seite 380 ff.) und als zuverlässiger Zeuge eingeschätzt (WO 309/914, Seite 9).

17.02.1947
Alle Beschuldigten befinden sich in Haft – von Menge wird vermutet, dass er nicht mehr lebt, ohne dass es hierfür einen konkreten Hinweis gibt (WO 309/914, Seite 33). Schmidt wird von Captain H.A. Brunner (The Essex Regiment Nr. 5), in Paderborn verhört (WO 235/395, Seite 357 ff.). Brunner charakterisiert Schmidt wie folgt: „Typischer kleiner Nazi-Beamter, immer noch sehr selbstsicher; sehr viel der „Befehl-ist-Befehl-Typ“. Er ist der einzige, der denkt, dass es überhaupt kein Verbrechen gab. Nach seiner Aussage gab er inoffiziell an, dass die Luftwaffe das verdient hatte, weil sie die Städte bombardiert hatte“ (WO 309/914, Seite 9).
 
03.03.1947
Maria Wege wird in Biedenkopf verhört. Hierbei macht sie Angaben zur Körperverletzung zum Nachteil Scott durch Michel, die sie zunächst bei der Gerichtsverhandlung im Mai 1947 bestätigt, im Jahr 1951 jedoch relativiert – sie habe von der Tat nur gehört (WO235/395, Seiten 3 + 4).

24.03.1947
Heinrich Thomas wird von Captain Lubbock verhaftet und in das Marburger Gefängnis gebracht (WO 309/914, Seite 100). Nicht bekannt ist, wann seine Entlassung erfolgte.

22. bis 29.05.1947
Gegen Mangold, Will, Schmidt und Koch wird vor einem englischen Kriegsgericht in Braunschweig verhandelt (WO235/395, Seiten 8 - 115). Die Verteidigung von Mangold übernimmt Rechtsanwalt Simon aus Braunschweig, die anderen Beschuldigten werden von Rechtsanwalt Dr. Peters vertreten.
Die Anklage stützt sich auf verschiedene Beweismittel (durchnummerierte „Exibits“) - diese Schriftstücke, darunter die Aussagen der Beschuldigten, liegen vor und dienen der Darstellung der Ereignisse. Die Angeklagten sagen umfangreich aus, berufen sich jedoch auf einen Befehlsnotstand: Die entsprechenden Befehle seien vom damaligen Kreispolizeichef, Bezirksleutnant der Gendarmerie, Karl Menge, und Hauptmann Heinrich Friedrich Kreitz ausgegeben worden. Diese mutmaßlichen Befehlsgeber können jedoch nicht befragt werden: Kreitz hatte sich bereits am 14.07.1945 erhängt und Menge ist nach dem Krieg spurlos untergetaucht.
Ausweislich der Akte WO 309/914 (Seite 68 ff.) aus dem Nationalarchiv London haben sich die Briten die allergrößte Mühe gegeben, die Person Menge zu erforschen und dessen Verbleib zu ermitteln.
Demnach wurde er am 08.05.1899 in Eigenrode/Thüringen, heute ein Ortsteil von Unstruttal, geboren und heiratete dort am 16.04.1927 die Ottilie Eckhardt (*09.10.1897 in Mühlhausen). In seinen Akten ist ein Sohn vermerkt, geboren am 15. oder 16.06.1934. Vor seinem Eintritt in den Polizeidienst war Menge als Teilnehmer des 1. Weltkriegs bei der Marine in Wilhelmshaven stationiert. Als Zivilberuf wird Maschinenstricker angegeben. Nach seinem Wechsel zur Polizei kam er am 1. September 1943 über verschiedene Stationen nach Biedenkopf. Die Angaben über seine Wohnung ist Biedenkopf sind kurios: Er wohnte dort mit seiner Frau und einem angenommenen Sohn (Klaus) im Haus von Frau Wick, Theisenstraße 1, gab aber in einer offiziellen Stärkemeldung der Polizeistation Biedenkopf an, am 01.04.1944 in Biedenkopf, Hainstraße 74 (damaliges Forstamt), zu wohnen (HStAM Bestand 270 Marburg, Nr. 791). Unter dieser Adresse war jedoch ein Fräulein D. gemeldet, die von Menge geschwängert wurde. Entbunden hat Frl. D. im Juli 1945 irgendwo in einem Bauernhaus in Westfalen - Menge hatte sie, um einen Skandal in Biedenkopf zu vermeiden, bei einer NSDAP-Behörde in Wiesbaden untergebracht, diese Behörde war aufgrund der Kriegsereignisse evakuiert worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Menge bereits aus Biedenkopf abgesetzt: Unmittelbar vor dem Eintreffen der Amerikaner im März 1945 sei an seiner Wohnung ein Auto vorgefahren, er stieg ein und danach hat niemand mehr etwas von ihm gehört oder gesehen. Bei dem Fräulein D. könnte es sich um die Tochter des Lehrers Friedrich Wilhelm D. und dessen Ehefrau Margarethe Luise Hermine, geb. W., handeln, trug die Vornamen Eleonore Luise Hermine und war eine verheiratete K. (Quelle: Sterbeurkunde von Mutter D. vom 29.12.1953).
Menges Frau verließ Biedenkopf auch, um mit dem Sohn zurück in die alte Heimat nach Eigenrode zu gehen. Noch im Jahr 1945 kam sie zurück, um den Hausstand aufzulösen. Hierbei erwähnte sie, dass der 11-jährige Sohn auf dem Weg nach Eigenrode verstorben sei. Über die Art des Todes ließ sie sich nicht aus – es besteht die Vermutung, sie stellte diese Behauptung nur deshalb auf, um weiteren Fragen über den Aufenthalt des Sohnes vorzubeugen, der sich möglicherweise bei seinem Vater aufhielt. Bei diesem Besuch in Biedenkopf erfuhr sie von dem unehelichen Kind ihres Mannes und sagte, sie wüsste nicht, was sie mit ihrem Ehemann anstellen würde, wenn er bei ihr auftauchen sollte. Bezüglich des Verschwindens von Menge hält Major Comper am 12.06.1947 fest: „Menge hat seine Heimatadresse im März 1945 in Begleitung seiner Frau und seines Sohnes verlassen. Er war anscheinend am unbeliebtesten in der Stadt, in der er lebte, und sobald er sein Eigentum verließ, wurde es versteigert und seine Adresse auf Befehl des örtlichen Bürgermeisters neu vergeben/belegt“ (WO 309/914, Seite 61). Nach den Morden an den Kriegsgefangenen hat Menge hiervon seiner Ehefrau erzählt und angemerkt, dass er sich selbst erschießen würde, falls Deutschland den Krieg verliere. Wie der Krieg ausging ist bekannt, die Leiche von Menge jedoch nicht gefunden. Die Briten vermuten Menge in erster Linie in der sowjetischen Besatzungszone, schließen aber auch nicht aus, dass sich Menge nach dem Krieg über Hamburg abgesetzt haben könnte: Im Frühjahr 1945, als selbst den größten Optimisten klar war, wie der Krieg ausgehen wird, besuchte er diese Stadt – möglicherweise mit der Absicht, seine Flucht vorzubereiten. Die britischen Ermittler führen aus, dass damals wegen der politischen Lage Nachforschungen in der sowjetisch besetzten Zone nicht möglich waren und diese später durchgeführt werden sollten – dies ist anscheinend jedoch bis heute nicht geschehen.

Als Zeugen der Verteidigung werden vernommen: Wilfried Koch aus Eckelshausen, Paul Messerschmidt, Polizist in Wallau, Wilhelm Jakobi aus Mornshausen/Amelose, Alexander Erich Hans Crustorf und Heinrich Schmitt, Polizist in Biedenkopf. Die Polizisten bestätigen das Vorhandensein des allgemeinen Tötungsbefehls gegen „Terrorflieger“ und bescheinigen, zusammen mit den anderen Zeugen, Mangold gute Charaktereigenschaften und grundsätzlich einen tadellosen und fürsorglichen Umgang mit Kriegsgefangenen.
Verlesen werden Stellungnahmen von nicht vorgeladenen Zeugen, die den Angeklagten durchweg einen sehr guten Leumund bescheinigen: Der ehemalige Bürgermeister von Mornshausen/D., Andreas Weigel, hat gesehen, dass Koch den Gefangenen überaus fürsorglich behandelte (WO 235/395 Seite 386), der neue Bürgermeister, Junker, bestätigt dies (WO 235/395 Seite 387), Landwirt Wilhelm Rüffel aus Gladenbach (WO 235/395 Seite 396), der pensionierte ehemalige Leiter der Polizeistation Gladenbach, Karl Rahlf (WO 235/395 Seite 392), Heinrich Schäfer aus Friebertshausen (WO 235/395 Seite 395), Hermann Bender aus Erdhausen (WO 235/395 Seite 408), Schmiedemeister und Landwirt Heinrich Schmidt aus Gladenbach (WO 235/395 Seite 404), Bäckermeister Karl Schmidt aus Gladenbach ((WO 235/395 Seite 397), Prof. Kippenberger aus Marburg, der sich ganz besonders für Mangold einsetzt (WO 235/395 Seiten 398 ff. und Seiten 410 ff.), Bürgermeister von Erdhausen, Herr Reuter (WO 235/395 Seite 406). Die Frauen Luise Beimborn, Anna Schmidt und Luise Weber, alle in der Lahnstraße in Eckelshausen wohnhaft, haben gesehen, wie Koch den Gefangenen auf dem Gepäckträger seines Rades transportierte und mit ihm in sein Haus ging (WO 235/395 Seite 386). Die Befehlslage, wie mit gefangenen alliierten Fliegern umzugehen war, kann nicht mit dem Prädikat „eindeutig“ versehen werden. Sicher scheint jedoch, dass letztendlich die Personen über Leben oder Tod entschieden, in deren Obhut sich die Gefangenen befanden: Der geheime Tötungsbefehl soll vom Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, gekommen sein, ein entsprechendes Schriftstück ist jedoch nicht bekannt geworden. Eine abschließende Beurteilung, wie sehr untere Dienstränge von Vorgesetzten unter Druck gesetzt wurden, ist nicht möglich. Bekannt sind jedoch überaus viele Fälle, bei denen dieser Befehl nicht beachtet wurde, ohne dass hierfür irgend jemand zur Rechenschaft gezogen wurde. Lynchmorde gab es zwar viel zu viele, waren aber eher die Ausnahme. Somit darf angenommen werden, dass dieser imaginäre Befehl eher dazu diente, Morde zu rechtfertigen, die bei weitem nicht in allen Teilen der Bevölkerung als Unrecht empfunden wurden. 
Von einer vollkommen anderen Befehlslage ist in dem Buch von Herfried Münkler, „Machtzerfall; Die letzten Tage des Dritten Reiches“ zu lesen: Am 19. Juli 1944 weist der Gauleiter Jakob Sprenger in seiner Eigenschaft als Reichsstatthalter für Hessen ausdrücklich darauf hin, dass abgesprungene Flieger Anspruch auf eine Behandlung als Kriegsgefangene gemäß den Bestimmungen der Haager Landkriegsordnung hätten und alle Polizeibeamte in Hessen entsprechend zu unterrichten seien.
Unter Berücksichtigung der Persönlichkeit und Linientreue von Sprenger darf hinter diesem Hinweis eher nur ein „Schaufensterbekenntnis“ vermutet werden, dürfte aber auch denjenigen, die vor Ort keine Morde begehen wollten, diese Entscheidungsfreiheit lassen ... etwas „Rückgrat“ vorausgesetzt. Zu dieser Thematik gibt es noch einen dritten Aspekt in Form eines konkret vorliegenden geheimen Rundschreibens des Führerhauptquartiers vom 30. Mai 1944, unterschrieben vom Leiter der Partei-Kanzlei der NSDAP im Rang eines Reichsministers, Martin Bormann, das an alle Reichsleiter, Gauleiter, Verbandsführer und Kreisleiter ging. In diesem Schreiben gibt es weder einen Tötungsbefehl, noch einen Hinweis auf die Haager Landkriegsordnung oder die Genfer Abkommen. Es wird „nur“ bestimmt, dass gegen Deutsche, die in Gefangenschaft geratene englische oder amerikanische Piloten gelyncht haben, nicht ermittelt wird.
Diese Anordnung stellt fraglos den Leuten einen Freibrief aus, die keine Skrupel damit haben, wehrlosen Kriegsgefangenen eine Kugel in den Kopf zu jagen. Mangold ist dieses Schreiben offensichtlich bekannt, denn bei seiner Verteidigung benutzt er Formulierungen, so wie sie in dem Schreiben enthalten sind und die als Rechtfertigung für die Tötung von „Terrorfliegern“ dienen sollen: Er spricht von alliierten Tieffliegern, die sich nicht auf militärische Ziele beschränkten, sondern gezielt auf dem Feld arbeitende deutsche Zivilisten beschossen. Diese Ausrede kann allein schon deshalb nicht greifen, weil dies auf die beiden ermordeten Flieger keineswegs zutrifft. So bleibt als Ergebnis, dass durch den immer wieder ins Feld geführten „Befehlsnotstand“ die Taten weder zu entschuldigen noch zu rechtfertigen sind. Bedarf es überhaupt einer gesetzlichen Bestimmung um zu wissen, dass man wehrlose Gefangene nicht töten darf?

Die Urteile:

Konrad Mangold, *01.11.1896 in Mönchengladbach, whf. in Gladenbach-Erdhausen, - Tod durch Erschießen. Er wird zwecks Vollstreckung des Urteils in das Militärgefängnis in Hameln eingeliefert. Mangold will vom Chef des Gefängnisses wissen, wie der Ablauf der Hinrichtung sein wird. Dieser erklärt, dass dies üblicherweise mit dem Strang passiert, jedoch in seinem Fall noch kein ordnungsgemäßer Vollstreckungsbefehl (Formblatt A.4) vorliegt. Das Urteil werde vollstreckt, sobald dieses Formblatt eintreffe (WO 236/719, Seite 50). 


Ludwig Will, *28.04.1896 in Gladenbach, whf. Gladenbach, Hoherainstraße 24, seit 1933 in der NSDAP, - 10 Jahre Haft.

Karl Konrad Schmidt
, *28.10.1884 in Burghaun-Langenschwarz, Kreis Hünfeld, whf. Gladenbach, Gießener Str. 1, seit dem 01.05.1933 in der NSDAP, - 1 Jahr Haft. 

Otto Koch, *29.05.1892 in Rodheim, Krs. Gießen, whf. Eckelshausen, Lahnstraße 6, - Freispruch).

28. bis 30.05.1947
Gegen den ehemaligen Bürgermeister von Weidenhausen, Ludwig Michel, wird vor dem gleichen Gericht in einem gesonderten Verfahren verhandelt (WO235/395, Seiten 117 - 186). Die Art seiner Mitwirkung an der Erschießung von Scott bleibt unbestritten. Michel sagt, es habe eine konkrete Anordnung des Landrates für die Kommunalverwaltungen gegeben, wonach Kriegsgefangene nach Gießen zu verbringen sind, er habe sich jedoch, ebenso wie Mangold, nicht gegen Menge durchsetzen können (WO 235/395, Seite 135 ff.).
Viel Raum nimmt der zweite Anklagepunkt, die Körperverletzung zum Nachteil Scott, ein. Michel bestreitet diese entschieden. Er habe nach dem Aufschließen der Zelle einen tätlichen Angriff des Gefangenen vermutet, ihn leicht zurück gestoßen und später mit einem Stock leicht an der Schulter berührt. Die Zeugin Maria Wege belastet ihn jedoch schwer (WO 235/395, Seite 123 ff.). Sie habe beobachten können, wie Michel den Gefangen schwer zusammen schlug. Der bei dem Vorfall anwesende Thomas bestätigt, dass der Gefangene von Michel verprügelt wurde (WO 235/395, Seite 127 ff.).
Bereits einen Tag nach der Festnahme von Michel (06.07.1945) war auf Veranlassung seiner Angehörigen im Dorf ein Schriftstück verfasst worden, wonach Michel den Gefangenen nicht geschlagen haben soll und in Abrede gestellt, dass Frau Wege aufgrund der örtlichen Gegebenheiten überhaupt die Möglichkeit hatte, einen solchen Vorfall zu beobachten. Eine Kopie des Schreibens vom 8.7.1945 liegt vor, jedoch noch ohne Unterschriften (WO 235/395, Seite 266). Dieses Schreiben soll von einigen Weidenhäusern unterschrieben worden sein (u.a. Herr Runzheimer und Frau Dörr, möglicherweise auch Lisa Becker). Kurioserweise unterschrieb auch der Ortsdiener Thomas - bei seiner Aussage vor Gericht bestätigt er wieder die Misshandlung. Zur Entstehungsgeschichte des Schreibens sagt der Sohn von Michel, Heinrich, aus. Seine Angaben beschränken sich auf die Dinge, die dazu geeignet sein könnten, seinen Vater zu entlasten. Angeblich weiß er nicht einmal, warum sein Vater verhaftet wurde (WO 235/395, Seite 163 ff.). 
Im Jahr 1951 führt die Staatsanwaltschaft Marburg unter dem Az. 7 Js 171/51 ein Verfahren durch, dessen Gegenstand nicht bekannt ist. In der Akte PRO WO 235/395, Seiten 3 + 4, befindet sich hierzu ein Schreiben, in dem Frau Wege zitiert wird. Nach den Aussagen von Otto Klingelhöfer, Willi Runzheimer, Liesel Becker und Margarete Dörr, wonach es Frau Wege aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht möglich war, das Geschehen in und an der Zelle verfolgen zu können, gibt sie zu, gelogen zu haben.
Angeblich sei sie von den Amerikanern im Jahre 1945 oder 1946 zu dieser Falschaussage gezwungen worden. Hätte sie ein entsprechendes Vernehmungsprotokoll nicht unterschrieben, wäre sie in Haft genommen worden. Sie sagt jetzt, den Vorfall nicht selbst gesehen zu haben, man habe im Dorf so davon erzählt. Der 17-jährige Zeuge Otto Klingelhöfer ist offensichtlich zu gut auf die Verhandlung vorbereitet worden. Er sagt derart übertrieben im Sinne von Michel aus, dass seine Aussagen eher dem Angeklagten geschadet als geholfen haben dürften.
Der Ankläger fragt ihn, ob sein Vater, der ein guter Bekannter und direkter Nachbar von Michel ist, ihm aufgetragen habe, bestimmte Sachen zu sagen. Er verneint dies, macht sich aber zum Zeugen des nachfolgenden Ereignisses, obwohl er dies eigentlich nicht hätte beobachten können. Michel hatte nämlich alle Leute, mit Ausnahme des Ortsdieners Thomas, aus dem Gebäude geschickt und die Eingangstür eigenhändig geschlossen, um keine Zeugen zu haben oder wie er selbst sagt, um die Leute vor dem Gefangenen zu schützen. Dennoch sagt Klingelhöfer aus, anwesend gewesen zu sein, als Scott, nachdem er in der Zelle auf sich aufmerksam gemacht hatte, nach den Gründen für sein Klopfen gefragt wurde. Obwohl auf Gedeih und Verderb den Deutschen ausgeliefert, soll sich Scott dagegen verwahrt haben, von deutschen "Schweinen" eingesperrt zu werden (WO 235/395, Seiten 143 ff. und 150 ff.). Das will Klingelhöfer als einzige Person selbst gehört haben und wiederholt diese Aussage mehrfach. Diese ist offensichtlich als Versuch erkannt worden, den Gefangenen zum Provokateur zu machen, um Michel zu entlasten. Aber warum sollte Michel entlastet werden ... er will doch „nichts“ gemacht haben? Ohne danach gefragt zu werden, singt Klingelhöfer ein Loblied auf Michel: Dieser habe stets alle Kriegsgefangenen, egal welcher Nationalität, eigenhändig und bestmöglich mit Lebensmitteln versorgt. Ausführlich lässt sich Klingelhöfer über Maria Wege aus und belastet sie: Er stellt in Abrede, dass sie den Vorgang an oder in der Zelle beobachtet haben kann. Dann soll sie Polen und farbige US-Soldaten nach dem Krieg dazu angestiftet haben, ihr unliebsame Mitbürger zu attackieren. Erst nach intensiven Nachfragen sagt er, dass es sich hierbei nur um Gerüchte handelte. 
Die nachfolgen Personen werden von der Verteidigung ebenfalls als Entlastungszeugen präsentiert: Alexander Erich Hans Grussdorf aus Weidenhausen (WO 235/395, Seite 158 ff.), Jakob Koch aus Weidenhausen (WO 235/395, Seite 161 ff.) und Karl Schmidt aus Gladenbach (WO 235/395, Seite 168 ff.). Diese versuchen ebenfalls massiv, Maria Wege als unglaubwürdig hinzustellen und attestieren ihr einen sehr schlechten Ruf: Sie habe ein uneheliches Kind (geboren im Frühjahr 1944) von einem verheirateten Wachmann, intime Kontakte mit Kriegsgefangenen und mit farbigen US-Soldaten. Offen bleibt, ob es sich hierbei um Tatsachen, Unterstellungen oder Gerüchte handelt. Keiner der Zeugen kann angeben, dass diese Vorfälle für Frau Wege oder für sonst jemanden irgendwelche Konsequenzen hatten. Nicht selten endeten nämlich während des Krieges intime Kontakte mit Deutschen für Kriegsgefangene mit dem Tod und für beteiligte Deutsche üblicherweise mit Lagerhaft. Frau Wege heiratete nach dem Krieg einen „Dreyer“ und bekam weitere Kinder. Eine Tochter ist in Erdhausen verheiratet. Bei dem 1944 geborenen Kind handelte es sich um eine Tochter, die in Weidenhausen geheiratet hatte und kürzlich dort verstarb. Es werden noch einige Stellungnahmen verlesen, die offensichtlich von Michels Rechtsanwalt, Dr. Peters, initiiert worden waren. Emmy Bahlke (WO 235/395, Seite 269), der Kaufmann Hans Welker (WO 235/395, Seite 273), der ehemalige Ortsbauernführer Jakob Koch I (WO 235/395, Seite 275), der Landwirt und Fuhrunternehmer Karl Müller I (WO 235/395, Seite 277), Richard Mann (WO 235/395, Seite 280), der Kirchenvorsteher Jakob Ruppert II (WO 235/395, Seite 283) und der Schreinergeselle Luitpold Brandl (WO 235/395, Seite 285) können keine Angaben zur Sache machen, bescheinigen jedoch dem Angeklagten Michel sehr gute charakterliche Eigenschaften, politische Neutralität und bedauern z.T. auch, dass er unglücklicherweise in die Fänge der führenden NSDAP-Leute von Weidenhausen geraten sei.

Das Urteil:
Ludwig Michel, *18.12.1894 in Weidenhausen, whf. Weidenhausen, Hauptstraße 169, wird zu 12 Jahren Haft verurteilt, die er zuletzt in der JVA Werl absitzt.

04.06.1947 Schmidt und Will legen über ihren Rechtsanwalt Dr. Peters ein „Gesuch gegen das Urteil bzw. das Strafmaß“ ein und begründen dies ausführlich (WO 235/395, Seiten 212 – 219).

05.06.1947 Heinrich Thomas wird von den Amerikanern den Briten überstellt und ins Camp 5 in Paderborn eingeliefert (WO 309/914, Seite 95).

10.06.1947
Mangold und Michel legen ein „Gesuch gegen das Urteil bzw. das Strafmaß“ ein und begründen das ausführlich (WO 235/395, Seiten 220 – 241).

11.06.1947
Die beiden ermordeten Flieger werden von Gladenbach nach Hannover umgebettet und ruhen dort neben ihren beim Absturz gefallenen Kameraden in den Gräbern 11.E.5 und 11.E.6. Der "Hannover War Cemetery" ist eine Kriegsgräberstätte, die von der Commonwealth War Graves Commission (CWGC) angelegt wurde. Der im Volksmund bekannte „Englische Friedhof“ liegt auf dem Gebiet der Stadt Seelze, etwas abseits des Stadtteils Harenberg.

17.07.1947
Die Ehefrau des Mangold, Mia, geb. Weiser, sowie die Kinder Kurt (1971: Erdhausen, Backesweg 1), Herbert, Christel, Dieter und Klaus reichen ein Gnadengesuch ein. Eine der Begründungen: Die Tochter Christel (22 J.) ist mit einem amerikanischen Soldaten verlobt und wird ihn in kürze heiraten (WO 235/395, Seite 249 ff.). Die Kinder sind zu diesem Zeitpunkt 5, 7, 19, 22 und 24 Jahre alt – der älteste Sohn arbeitet als Ingenieur bei den amerikanischen Streitkräften. Am gleichen Tag reicht Prof. Dr. Albrecht Kippenberger aus Marburg, Schückingstraße 15, über den Verteidiger von Mangold, Herrn Simon, ebenfalls ein Gnadengesuch ein, das er ausführlich begründet. Kippenberger war in der Armee Vorgesetzter von Mangold (WO 235/395, Seite 253 ff.).

09.09.1947
Rechtsanwalt Ley aus Oeynhausen, der Rechtsanwalt Simon unterstützt, erhält die Nachricht, dass das Todesurteil gegen Mangold bestätigt wurde und eine Petition erfolglos war (WO 236/719, Seiten 104/105).

29.09.1947
Rechtsanwalt Ley fragt beim Judge – Advocate, Bad Oeynhausen, Bismarckstraße 5, nach, ob es rechtens sei, dass Mangold nicht erschossen, sondern gehängt werden soll. Er sieht darin eine unzulässige Strafverschärfung. Brigadier Williams, DJAG, antwortet am nächsten Tag, dass ihm eine solche Abänderung des Urteils nicht bekannt sei (WO 236/719, Seiten 90/91).

21.10.1947
Es ergeht die Anordnung, die Vollstreckung des bestätigten Todesurteils gegen Mangold so lange auszusetzen, bis über ein Gnadengesuch des Bischofs Frings aus Köln entschieden ist. Der für dieses Verfahren zuständige Brigadier HWR Williams, DJAG (Defence Judge Advocate General), sieht jedoch keinen Grund, am ursprünglichen Urteil etwas zu ändern (WO 236/719, Seiten 48+49).

23.10.1947
Nachdem einige Gnadengesuche bezüglich Mangolds Todesstrafe abgelehnt wurden, empfiehlt nun das Hauptquartier der Britischen Rheinarmee dem C-in-C (Commander-inChief), Britische Zone Deutschland, das Urteil in 20 Jahre Gefängnis umzuwandeln und nennt hierfür diese beiden Gründe: 1. Kardinal Frings, Erzbischof von Köln, hat persönlich beim stellvertretenden Militärgouverneur ein Gnadengesuch eingereicht (siehe auch: Nationalarchiv London, Az. FO 371/104143/1661/28). 2. Die beiden anderen Angeklagten, Will und Michel, die mit Mangold für schuldig befunden wurden, an der Tötung der beiden Kriegsgefangenen beteiligt gewesen zu sein, wurden auch nur zu Haftstrafen verurteilt. Als Rechtsgrundlage wird der § 12 der Strafprozessordnung (Heeresordnung 81/1945) angeführt (WO 236/719, Seiten 44+45).

11.11.1947
Nachdem Mangold fast ein halbes Jahr in Hameln in der Todeszelle gesessen hat, erhält sein Rechtsanwalt Ley nun einen Brief des Brigadier Williams mit folgendem Wortlaut: „Der C-in-C, Britische Zone, Deutschland, hat auf Empfehlung der GOC-in-C (General Officer Commanding-in-Chief), BAOR, das gegen Mangold verhängte Todesurteil in eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren umgewandelt.“ (WO 236/719, Seite 32 ff.).

27.12.1947
Die Ehefrau des Schmidt, Margaretha, bittet um die Haftentlassung ihres Ehemannes (WO 235/395, Seite 287) .

30.01.1948
Schmidt sitzt in Hameln ein. Offensichtlich soll er entlassen werden und erhält hierzu von der Gefängnisleitung ein gutes Führungszeugnis (WO 236/719, Seite 30).

20.02.1950
Michel wird in die JVA Werl eingeliefert. Nicht bekannt ist, auf wessen Veranlassung dies geschieht und von wo er kommt (Landesarchiv Westfalen, W3 – 2019/10615).

23.04.1952
Will soll aufgrund guter Führung aus der Haft entlassen werden – ein entsprechendes Formblatt wurde am 16.04.1952 von den Briten erstellt (WO 235/395, Seite 5).

16.01.1953
Offensichtlich sitzt Mangold in der JVA Werl ein, denn er befindet sich als Patient nach einer Operation im dortigen Mariannen-Hospital. Er wird an diesem Tag von einem britischen „beratenden Chirurgen“ untersucht. Als Ergebnis steht die Vermutung, dass Mangolds Erkrankung (chronisches Geschwür im Bereich des Zwölffingerdarms und der Bauchspeicheldrüse) im Gefängnis nur unzureichend behandelt werden kann und somit zu einer Verkürzung der Lebenserwartung führen könnte (Nationalarchiv London, Az. FO 371/104143/1661/24). 

05.07.1953

Michel soll aufgrund guter Führung und unter Berücksichtigung der Untersuchungshaft aus der Haft entlassen werden – ein entsprechendes Formblatt wurde am 01.07.1953 vom Vorsitzenden des britischen Straferlassausschusses erstellt (WO 235/395, Seite 7). Über den Tag seiner Entlassung liegen verschiedene Angaben vor: Während die JVA Werl seine Entlassung mit Mai 1955 angibt (Landesarchiv Westfalen, W3 – 2019/10615), kommt er bereits im Juli 1953 in Weidenhausen zur Anmeldung.

24.08.1953
Laut einem Schreiben des Rechtsberaters Herchenroder an den Leiter der JVA Werl soll Mangold an diesem Tag aufgrund eines Gnadenaktes der Britischen Königin aus der Haft entlassen werden (WO 235/395, Seite 6).

29.12.1971
Mangold verstirbt 74-jährig in seiner Wohnung in Erdhausen, Gießener Straße 30.

18.02.1972
Michel verstirbt im Alter von 78 Jahren in Marburg, amtlich gemeldet ist er zu diesem Zeitpunkt in Weidenhausen, Hauptstraße 2.

1972
Will verstirbt im Alter von 76 Jahren in Gladenbach.



 
 
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